zur Navigation springen

Sozialverband Neumünster : Mit Pappkarten gegen Falschparker

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Autofahrer parken unberechtigt auf Behindertenparkplätzen. Dem Sozialverband ist das ein Dorn im Auge.

von
erstellt am 30.Aug.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ Mit deutlichen Worten haben zwölf Mitglieder des Ortsvereins des Sozialverbands gestern Vormittag Falschparker auf Behindertenstellplätzen ins Visier genommen. Da Worte jedoch nicht immer ausreichen, wurden an vielen neuralgischen Punkten in der Stadt 200 leuchtend gelbe Pappkarten verteilt, mit denen die Autofahrer auf ihr Fehlverhalten hingewiesen wurden. Die Mitglieder waren unter anderem bei Nortex, am Designer-Outlet-Center (DOC), am Bahnhof und diversen Supermärkten unterwegs.

„Wir bekommen immer wieder Beschwerden, dass Autofahrer die Behindertenparkplätze in der Stadt unberechtigterweise nutzen“, erklärte der Kreisvorsitzende Peter Kammhoff den Hintergrund der landesweiten Aktion. Zusammen mit seinem Kollegen Detlef Hingst hatte er sich gestern den Post-Parkplatz an der Friedrichstraße ausgesucht. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich bereits nach wenigen Minuten herausstellte. Fast im Minutentakt fuhren Autofahrer auf einen der beiden Behindertenparkplätze – von einem Berechtigungsausweis, der deutlich sichtbar vor die Windschutzscheibe gelegt werden muss, war in den meisten Fällen jedoch nichts zu sehen.

Die Liste der Ausreden war lang, aber wenig originell. „Ich wollte nur kurz Geld holen“, „Ich bin doch gleich wieder zurück“, oder „Ich habe gar nicht gesehen, dass es sich um einen Behindertenparkplatz handelt“, waren die häufigsten Antworten der Ertappten, verriet Detlef Hingst. Gegenüber dem Courier wollte sich keiner der Betroffenen äußern. „Die Ausreden sind häufig die gleichen. Meistens liegt es einfach an der Bequemlichkeit der Menschen. Oft genug werden Behindertenparkplätze genutzt, obwohl ein paar Meter weiter noch reguläre Parkplätze frei sind. Viele würden mit ihrem Wagen am liebsten direkt ins Gebäude hereinfahren“, sagte Peter Kammhoff.

Was viele nicht wissen oder bewusst ignorieren: Das unberechtigte Parken auf einem Behindertenparkplatz stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld in Höhe von 35 Euro bestraft wird. Sollte das Fahrzeug abgeschleppt werden, wird es noch einmal deutlich teurer.

Die meisten Autofahrer, die von Kammhoff und Hingst freundlich auf ihren Fehler hingewiesen wurden, reagierten einsichtig und fuhren ihren Wagen umgehend weg. Andere nahmen es dagegen nicht so sportlich. „Wo sollen wir denn überhaupt noch parken?“, rief ihnen ein aufgebrachter Autofahrer entgegen. Eine Reaktion, für die Detlef Hingst kein Verständnis aufbringen kann: „Man kann diesen Menschen nur wünschen, dass sie nicht selbst in die Situation kommen, auf einen solchen Parkplatz angewiesen zu sein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen