Bordesholm : Mit Musik durch die Natur

Das „Calefax Reed Quintet“ nahm die Besucher mit in die musikalische Natur: Raaf Hekkema (von links), Ivar Berix, Alban Wesly, Oliver Boekhoorn und Jelte Althuis.
Das „Calefax Reed Quintet“ nahm die Besucher mit in die musikalische Natur: Raaf Hekkema (von links), Ivar Berix, Alban Wesly, Oliver Boekhoorn und Jelte Althuis.

Das „Calefax Reed Quintet“ aus den Niederlanden gab das erste SHMF-Konzert in der Bordesholmer Klosterkirche.

shz.de von
10. Juli 2018, 10:07 Uhr

Bordesholm | Von der Kirche musikalisch ins Freie ging es beim ersten von insgesamt drei Schleswig-Holstein-Musik-Festival-Konzerten in der Klosterkirche. Das niederländische „Calefax Reed Quintet“ lud die 500 Besucher im ausverkauften Haus auf die gemeinsame Entdeckungsreise vertonter Natur ein.

Da denkt man sofort an Landschaften, Gerüche, Pflanzen und natürlich auch Tiere. Also ein großes Sammelsurium an Assoziationen und Vorgaben für die kompositorische Umsetzung, bei dem es manch Unerwartetes zu hören gab. Wer zum Beispiel hätte Felix Mendelssohn mit Schottland in Verbindung gebracht und wer kennt dessen Ouvertüre „Die Hebriden“, in der er eben jene gälische Insel Staffa mit der dazugehörigen „Fingalshöhe“ vertonte? Experten wie Laien staunten über das bestens eingespielte Quintett, das seine Blasinstrumente mit behutsamem Schwung einsetzte. Die Töne saßen, das kollektive Spielen auch, und doch erschloss sich wohl nur beim Blick in das Programmheft, dass es hier um Schottland ging.

Die Schweiz als Objekt der Vertonung wird bei Franz Liszts „Années de pèlerinage“ schon deutlicher: Sprudelnde Quellen, hohe Berge und der malerische Wallensee konnte man durchaus auch ohne höchste Konzentration heraushören.
Jean Philippe Rameaus Barock-Ausflug „Le rappel des oiseaux“ war wieder dem Genre geschuldetes strenges Exerzitium, Anklänge von Vogelgezwitscher streiften nur den programmatischen Hintergrund des Konzerts, ehe es nach der Pause dann richtig ins Grüne und Bunte ging – mit modernen und mitunter auch schrägen Klängen.

Arvo Pärts „Arbos“ etwa thematisierte die starke Lebenskraft eines Baumes und entfaltete in seiner schlagartigen und schwermütigen Art Gedanken an die sterbende Bordesholmer Linde auf der Klosterinsel.

Mit Oliver Boekhoorn an der Oboe, Ivar Berix an der Klarinette, Raaf Hekkema am Saxofon, Jelte Althuis an der Bassklarinette sowie Alban Wesly am Fagott ging es weiter durch die Natur. Carola Bauckholts sympathische Stilübung „Zugvögel“ ließ das Ensemble eine ganze Wildgänseschar herbeizaubern, und die anschließende „Waldszenen“-Exkursion von Robert Schumann bot dann die ganze Bandbreite immergrüner Utensilien: „Jäger auf der Lauer“, „Freundliche Landschaft“ oder gar der „Vogel als Prophet“ als nur einige der vielen Kostbarkeiten, die dieser musikalische Waldspaziergang in sich trug.

Kein Wunder, dass der Applaus im Anschluss ob dieser sympathischen Naturbesinnung sehr gut ausfiel.



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