Grossflecken : Mit Kunstharz gegen Stolperpflaster

Breite Fugen im Pflaster des Großfleckens sind nicht nur für Radler seit vielen Jahren ein Ärgernis.
Breite Fugen im Pflaster des Großfleckens sind nicht nur für Radler seit vielen Jahren ein Ärgernis.

Ausgießen der Fugen soll Holperflächen glätten. Noch vor dem Winter werden drei Testflächen angelegt

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19. November 2013, 05:45 Uhr

Lässt sich das Holperplaster auf dem Großflecken nach 22 Jahren endlich glätten? Die Stadt will noch vor dem Jahreswechsel einen neuen „kleinen Verkehrsversuch“ starten: Auf drei verschiedenen Testfeldern von 8 bis 12 Quadratmetern sollen die Fugen zwischen den Granitsteinen mit einer Epoxitharz-Paste verfüllt werden, um damit eine vergleichsweise ebene Fläche zu erzielen. Die Hoffnung der Straßenplaner: Die Begeh- und Befahrbarkeit des Pflasters könnte erheblich verbessert werden, ohne dabei das optische Bild der Pflasterung maßgeblich zu verändern.

Überlegungen, den als holprig empfundenen Großflecken benutzerfreundlicher zu machen, gibt es seit vielen Jahren und immer mal wieder: Seit dem Umbau des Platzes und der Pflasterung mit großformatigen Granitsteinen zu Beginn der 90er-Jahre klagen Rollstuhlfahrer wie Radfahrer, aber auch Fußgänger immer wieder über das Stolperpflaster. Besonders Frauen mit hochhackigen Schuhen bleiben mit den Absätzen im Pflaster hängen, aber auch schmale Reifen von Rädern, Kinderwagen oder Rollatoren können sich im Pflaster verhaken.

Vorschläge zur Abhilfe – etwa der Austausch des Pflasters – scheiterten bislang auch am Veto des Hamburger Architekten Dieter Rogalla, der das Urheberrecht für die Gestaltung des Platzes bis heute inne hat. Gravierende Änderungen am Gesamtbild des Platzes sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Architekten zulässig.

Die jetzt angedachte Lösung, sich lediglich auf die Fugen zu konzentrieren, könnte einen Kompromiss darstellen, deutete Bauamtschef Ralf-Josef Schnittker jetzt im Bauausschuss an. Man wolle sehen, wie sich der Test entwickle und das Thema dann gegebenenfalls mit dem Architekten besprechen, sagte Schnittker.

Wo die Testfelder angelegt werden, ist derzeit noch offen. Die Kosten des Versuchs halten sich in engen Grenzen. Das Epoxitharz bekommt die Stadt für den Versuch kostenlos gestellt, die Arbeiten können von Mitarbeitern des Technischen Betriebszentrums (TBZ) ausgeführt werden.

COURIER-KOMMENTAR:

Das Stolperpflaster ist ein Bremsklotz

Endlich mal wieder ein Verkehrsversuch, bei dem sich  die Neumünsteraner weitgehend einig sein dürften: Jede noch so kleine  Chance, den als holprig geltenden Großflecken benutzerfreundlicher zu gestalten, dürfte willkommen  sein. Insofern konnte Bauamtschef Ralf-Josef  Schnittker nicht viel verkehrt machen, als er  die Idee  der Pflasterverfugung vorstellte – zumal die testweise Verfüllung der Fugen auch noch (fast) kostenlos zu haben ist. Wem es gelingt, die innerstädtische  Stolperpiste für Fußgänger, Radler, Kinderwagen-Mütter, Behinderte und Autofahrer auch nur etwas zu entschärfen, der macht sich in Neumünster  Freunde.

Viel zu lange schon muss die   Stadt mit einer unglücklichen Platzgestaltung leben, die sich  längst auch als Bremsklotz in der Entwicklung der Innenstadt insgesamt erwiesen hat. Ob das Kunstharz im Pflaster der Weisheit letzter Schluss ist, muss sich zeigen. Auf jeden Fall sollte der Test genutzt werden, das  Gespräch mit dem Architekten neu zu beleben. Der sollte sich endlich einen Ruck geben: Wirklich gute Projekte überdauern die Zeit. Sie benötigen  kein stures Beharren   auf Urheberrechten.

Jens Bluhm

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