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Mit gesundem Menschenverstand gegen „Expertitis“ und „Talkshowkratie“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 06.Apr.2014 | 15:02 Uhr

Ludger Kusenberg kam auf die Bühne des Statt-Theaters und behauptete „konservativ zu sein oder es zu werden“ – und war damit mittendrin in seinem Thema.

Etwa 100 Gäste wollten am Sonnabend im Theater am Haart den Kabarettisten Ludger K. mit seinem Programm „Hilfe, ich werd’ konservativ“ erleben. Was dann der Weltverbesserer an deutscher Befindlichkeit analysierte, war nicht gerade schmeichelhaft für die Bürger des Landes der Dichter und Denker. Themen wie Kultur, Moral, Politik, der Papst und Innenansichten der Deutschen sezierte er mit philosophischer Nachdenklichkeit und jähen Wendungen, die immer wieder betroffen machten. Was ist etwa davon zu halten, dass es im deutschen Sprachgebrauch zwar „Bürgerinnen und Bürger“ aber nur „den Terroristen“ gibt? Oder dass Märchen und Speisekarten im vorauseilenden Gehorsam umgeschrieben werden, dass es Feuer- statt Zigeunerschnitzel heißen muss? Munter zitierte Kusenberg aus 100 Jahren Literatur und kam zu dem Fazit: Wir haben kaum dazugelernt.

Ludger K. gesteht aber jedem zu, „ein Recht darauf zu haben, verarscht zu werden.“ So fährt der Besitzer einer Öko-Bahncard im Zug mit Ökostrom, und der, der daneben sitzt und diese nicht hat, eben nicht. Gegen „Expertitis“ und „Talkshowkratie“ sei kein Kraut gewachsen behauptet der Kabarettist: „Schlimm ist aber, dass den Dummen die Gabe fehlt, eine falsche Antwort begründen zu können.“

Nachdenklich philosophierte Kusenberg: „Irgend etwas schützt uns vor realer Erkenntnis?“ So denken die meisten Menschen etwa im „Schattenkabinett eines Klassentreffens der einzige jugendliche Lichtblick zu sein“.

Kusenbergs Ausflug in die deutsche Geschichte war teilweise etwas nebulös und endete mit einer schwer verdaulichen Aussage: „Wenn du in Deutschland etwas verkaufen willst, brauchst du Titten oder Hitler.“ Die Moral insgesamt sei eben nur noch Zahlungsmoral. Danach kam er wieder auf weniger glattes Parkett, dafür aber auf lustigeres. Als die Oma an der Supermarktkasse langsam ihr Kleingeld zurechtsucht, ruft einer in der Schlange „Oma, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.“ Darauf die Oma: „Ich schon.“

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