Neumünster : Mit falscher Unterschrift die eigenen Eltern abgezockt

Wegen Betrugs in sieben Fällen verurteilte das Gericht einen arbeitslosen Lageristen zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung.

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06. Juni 2018, 09:30 Uhr

Neumünster | Zuerst verlor er den Job, dann erwischte er seine Freundin mit einem Kumpel im Bett. Als er sich mit dubiosen Geschäftspartnern einließ und erneut verlor, zapfte er schließlich heimlich das Konto der eigenen Eltern an. Für den Vertrauensbruch bekam der 24-jährige Neumünsteraner jetzt vom Amtsgericht die Quittung.

Wegen Betrugs in sieben Fällen verurteilte das Gericht den arbeitslosen Lageristen zu sechs Monaten Gefängnis, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Vor allem beim Staatsanwalt kam übel an, dass der Mann das Vertrauen seiner Eltern so so schamlos ausnutzte, um wieder flüssig zu werden: Beim Besuch in der elterlichen Wohnung notierte er sich heimlich die Kontodaten des elterlichen Bankkontos. Dann füllte er in aller Seelenruhe Überweisungsvordrucke aus, die er mit der gefälschten Unterschrift seines Vaters einreichte. Insgesamt 1020 Euro lenkte er so in fünf Teilbeträgen auf sein Konto um, ohne dass seine Eltern davon zunächst etwas mitbekamen. Weil die Bank die Unterschriften nicht ausreichend überprüfte, blieb sie letztlich auf dem Schaden sitzen. Der Staatsanwalt sprach dennoch von einem „krassen Vertrauensbruch“ gegenüber den Eltern.

In zwei weiteren Fällen bot der Neumünsteraner auf einer Internet-Plattform ein teures Handy sowie eine Handtasche an und kassierte die geforderten Kaufpreise über 540 Euro, ohne die vereinbarte Ware zu liefern. Während er den Betrug bei der Bank unumwunden einräumte, mochte der Neumünsteraner im Falle des Internet-Deals erst nach langem Zaudern zugeben, dass er weder Handtasche noch I-Phone je besessen hatte.

Viel Zeit verwandte das Gericht auch auf den Versuch, dem Angeklagten darüber hinaus einen Einbruchdiebstahl aus einem Mehrfamilienhaus an der Wippendorfstraße nachzuweisen. Ein ehemaliger Arbeitskollege, der dort Tür an Tür mit dem Angeklagten lebte, bezichtigte den Angeklagten aus seiner aufgebrochenen Wohnung ein Sparschwein mit 40 Euro gestohlen zu haben. Obwohl in der Wohnung Fingerabdrücke des Angeklagten sichergestellt worden waren, hatte das Gericht Zweifel an der Täterschaft des 24-Jährigen: Die sichergestellten Spuren könnten auch von einem früheren Besuch in der Wohnung des Arbeitskollegen stammen, machte der Richter für den Angeklagten geltend.

Unter dem Strich blieben die Betrügereien, die das Gericht mit der Bewährungsstrafe ahndete. Während der zweijährigen Bewährungszeit soll ein Bewährungshelfer den Neumünsteraner dabei unterstützen, die schiefe Bahn wieder zu verlassen. Als kleine „Sofort-Buße“ soll er 30 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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