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Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek : "Mit Erdogan würd ich gern mal kochen"

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Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek (CDU) ist leidenschaftlicher Koch und ein Vermittler zwischen den Welten.

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erstellt am 14.Mai.2013 | 06:05 Uhr

Neumünster | Stadt präsi - dent ist ein anstrengender Job, ein Termin jagt den nächsten. Um so wichtiger sind die richtigen Auszeiten. Friedrich-Wilhelm Strohdiek (69), seit fünf Jahren Inhaber des höchsten Amtes, das die Stadt zu vergeben hat, hat da sein eigenes Rezept. Wann immer es die Zeit erlaubt, streift er sich die Schürze über und erklärt die Küche zu seinem Revier.

Politik und Küche, da ist sich der leidenschaftliche Freizeitkoch sicher, sind nicht nur eine prima Ergänzung, sie haben auch viel gemein: Wer kocht, müsse gut vorbereiten, die richtigen Zutaten wählen, alles zum rechten Zeitpunkt anrichten - sonst gibt’s nachher leere Teller und enttäuschte Gesichter. Was, bitteschön, sei da in der Politik anders?, fragt Strohdiek augenzwinkernd. Außerdem könne man beim gemeinsamen Kochen herrlich politisieren.

Mit Recep Erdogan zum Beispiel würde er gern mal beim Schnippeln und Rühren Tacheles reden. Dass der türkische Regierungschef den türkischen Einwanderern in Deutschland abfordert, zuerst die türkische und dann die deutsche Sprache zu lernen, sei schon "ein starkes Stück". Strohdiek darf sich solcherlei Kritik erlauben, in den türkischen Gemeinden der Stadt genießt er ein hohes Ansehen. Bereits lange vor seinem Amtsantritt als Stadtpräsident hat sich der Einfelder für ein besseres Miteinander zwischen deutschen und türkischen oder türkischstämmigen Bürgern engagiert.

Da kam ihm die Berufung zum ersten Bürger der Stadt natürlich nur recht. Strohdiek ist regelmäßiger Gast bei türkischen Verbänden oder auch beim Generalkonsul in Hamburg. "Wenn wir mehr aufeinander zugehen, mehr miteinander reden würden, könnten wir viel Geld bei der Integration sparen", ist der Einfelder CDU-Politiker überzeugt. Der Wille zum steten Ausgleich bestimmt auch das politische Credo des Stadtpräsidenten. Bei allen politischen Gegensätzen ist ihm wichtig, dass auch in der Ratsversammlung stets respektvoll miteinander umgegangen wird.

Für Strohdiek gehört dazu selbstverständlich auch, dass er Ratsherr und Ski-Unfallopfer Andreas Kluckhuhn (SPD) zu Hause am Krankenbett besucht ("Ich glaub’, der fand das gut!") oder auch Jörn Seib (Bündnis für Bürger) offiziell zum Geburtstag gratuliert, obwohl der seinerzeit zur Wahl Strohdieks wenig Schmeichelhaftes über ihn verbreitete.

Dabei ist Strohdiek durchaus klar, dass es im nächsten Rat schwer werden könnte, ein unverkrampftes Miteinander fortzusetzen: "Alles, was extrem ist, passt nicht in unsere Gesellschaft!", appelliert der Einfelder an die Wähler, die Rechtsextremen aus dem Rathaus fernzuhalten.

Sollte es zum Schlimmsten kommen, liege es "an allen Demokraten, rechtsextreme Parolen nicht zum Tragen kommen zu lassen". Das müsse allerdings ausschließlich politisch geschehen, fordert Neumünsters erster Bürger. "Ich möchte kein Klima, bei dem wie in anderen Städten rechtsextreme Ratsmitglieder von Polizeibeamten zu ihren Sitzungen begleitet werden müssen", betont Strohdiek.

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