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Holsteinischer Courier

22. November 2017 | 02:58 Uhr

Bothkamp : Mit der Drohne übers Land

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Quadro- oder Multikopter werden auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Bestimmte Geräte müssen gekennzeichnet werden.

Bothkamp | An die Drohne, fertig, los? So einfach ist der Betrieb der beliebten Flieger, die auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden, nicht. Seit dem 1. Oktober gelten neue Gesetze. Auf Hof Siek in Bothkamp sitzen Experten, die sich mit dem Thema auskennen.

Drohnen oder auch sogenannte Quadro- oder Multikopter mit vier oder mehr Propellern, mit und ohne Kamera sind bei Groß und Klein immer beliebter. Den Nachwuchs beim Drachenfliegen aus der Luft filmen, mit blitzschnellen Minidrohnen Rennen fliegen, den Kitesurfern aus der Luft zuschauen oder mit einer Wärmebildkamera nach Rehkitzen suchen: Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen schier unendlich. In den ungetrübten Spaß mit den modernen Fliegern hat der Gesetzgeber allerdings mit Wirkung vom 1. Oktober einige Hürden eingebaut. Thorsten Eichert von der ATE-Akademie für Technologie und Entwicklung auf Hof Siek in Bothkamp kennt sich aus. Die Hürden seien zwar nicht besonders schwierig zu nehmen, sollten aber zwingend beachtet werden. „Verstöße gegen die neue Drohnenverordnung können mit Bußgeldern belegt werden“, sagt der Fachmann. „Besonders im gewerblichen Einsatz wie etwa in der Landwirtschaft oder in der Industrie zur Kontrolle von Anlagen wie Windkraftanlagen gehen die Empfehlungen durchaus über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus“, erklärt Eichert. Auch sind die Grenzen zwischen privatem Einsatz und gewerblicher Nutzung mitunter nicht immer klar. So etwa ist der Einsatz einer Drohne zur Beurteilung von Dünge- oder Pflanzenschutzeinsätzen für den Landwirt gewerblich einzustufen. Sucht der gleiche Landwirt am nächsten Tag beim Nachbarn mit seiner Drohne als Jäger kostenlos nach Rehkitzen, um diese vor dem Mähtod zu retten, ist der Einsatz privater Natur. „Das kann wichtig sein, wenn es um die inzwischen gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung für Drohnen geht“, so Eichert.

Gesetzliche Grundlagen bilden das Luftverkehrsgesetz, die Luftverkehrsordnung und die Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten vom 30. März. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Kennzeichnungspflicht. Ab 250 Gramm Abfluggewicht müssen die sogenannten unbemannte Luftfahrtsysteme mit einer dauerhaften und feuerfesten Plakette versehen werden auf der Name und Anschrift des Eigentümers stehen. Ab einem Abfluggewicht von zwei Kilogramm muss ein Drohnenführerschein erbracht werden. „Hierzu gehören Wissensinhalte wie Luftrecht, Meteorologie sowie Flugbetrieb und Navigation“, erklärt Eichert.

Zurzeit können die Prüfungen von zertifizierten Einrichtungen abgenommen werden. Eine Onlineprüfung für den Kenntnisnachweis ist in Vorbereitung. Für private Einsätze gibt es außerdem Angebote von den Luftsportverbänden und Vereinen.

Das gilt auch für die Versicherung der Drohnen. Ab einem Startgewicht von fünf Kilogramm und mehr muss außerdem eine Genehmigung bei der Luftfahrtbehörde eingeholt werden. „Das gilt auch für Flüge oberhalb von 100 Metern, die als allgemeine Obergrenze für Drohnen- und Multikopteraufstiege gelten“, erklärt Manfred Menzel vom Dezernat 41 Luftfahrt und Eisenbahnwesen in Kiel. Weiter dürfen die Drohnen nur in Sichtweite geflogen werden. „Ein kleiner weißer oder schwarzer Punkt am Horizont gilt nicht mehr als Sichtweite“, sagt Menzel. Darüber hinaus gibt es besondere Regelungen etwa für Flughäfen, Bundeswasserstraßen, Naturschutzgebiete und Nationalparks, Menschenansammlungen oder etwa Einsätze von Polizei und Rettungsdiensten. „Ein Lehrgang bringt die Anwender zumindest auf die sichere Seite“, sagt Thorsten Eichert.

Eine Broschüre zu den aktuellen Rahmenbedingungen gibt es als kostenlosen Download vom Copterlab Kiel unter: http://copterlab-kiel.de. Das Copterlab Kiel ist ein Projekt des Instituts für angewandte Publizistik
am Fachbereich Medien der Fachhochschule Kiel.  

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