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Holsteinischer Courier

25. November 2017 | 10:47 Uhr

Premiere : Mit dem Rolli richtig um die Kurve

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Erste Sportgruppe dieser Art zeigt Senioren, wie sie mit ihrem Gefährt möglichst gefahrlos durch den Alltag kommen / Bustraining am 23. Juni

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Neumünster | „Bei einer Stufe immer rückwärts runter, die Bremse fest drücken, damit es nicht zu schwungvoll wird, hinuntersteigen und dann den Rollator zum Körper hinunterholen“: Solche Anleitungen hören sieben Senioren seit Mai jeden Dienstagvormittag im Caspar-von-Saldern-Haus. Es ist eine Premiere: In der ersten Rollator-Sportgruppe bringt die angehende Motopädagogin Nicole Pingel Rollatorfahrern den richtigen Umgang mit ihrem Gefährt bei.

Denn der Umgang mit dem Rollator muss gelernt sein. Die meisten Teilnehmer bringen eigene Rollatoren mit, zwei „Senioren-Chopper“ hat ein Sanitätshaus kostenlos zur Verfügung gestellt. Schon mit der Ausstattung fängt es an: Ist der Rollator höhenverstellbar? Hat er neben Bremsen auch eine Ankipp-Hilfe? „Viele haben auch einen Stockhalter, manche eine Klingel oder einen Scheinwerfer“, sagt Nicole Pingel. Oder einen Bügel, der den zusammengeklappten Rollator stabilisiert: „Das ist sozusagen der Mercedes“, sagt Rosi Menzel-Stange (86) fröhlich. „Mein erster Rollator war nicht höhenverstellbar, da hatte ich gleich in der ersten Stunde Muskelkater“, sagt Christa Pannenborg aus Hardebek.

Nach der kleinen Rollator-Kunde geht es ans Aufwärmen. „Wir machen lockere Spiele, damit der Kopf wach wird, danach Gleichgewichtsübungen und Kraftelemente, um den Körper zu dehnen und die Beweglichkeit zu erhöhen“, erklärt Nicole Pingel. Im zweiten Teil werden ganz praktische Dinge geübt: Wie schafft man einen kleinen Wendekreis auf engem Platz? Wie stehe ich richtig? Wie überwindet man Stufen am ungefährlichsten? Wie kommt man seitlich auf einen Kantstein hinauf? „Nur die rechte Feststellbremse benutzen, den Rollator hochkippen, oben absetzen und den Rest nach oben holen“, erklärt Nicole Pingel. Die Senioren sind begeistert: „Ich fahre schon fünf Jahre, aber was wir hier lernen, habe ich noch nicht gewusst“, sagt Ursula Kröger (82) aus der Stadtmitte. Sie war früher „ganz fit“, lag dann nach einer schweren Krankheit zwei Monate im Koma und musste alles neu lernen – sprechen, bewegen und eben auch mit dem Rollator fahren. Auch das Zusammenklappen will geübt sein. Traudel Sander (82) ist dabei, um gut vorbereitet zu sein: „Ich fahre noch keinen Rollator, aber ich wollte ausprobieren, wie man mit ihm aufrecht geht, das ist gut für den Rücken. Manche hängen ja so über dem Rollator, das geht gar nicht. Außerdem wollte ich verschiedene Modelle kennenlernen. Ich bin begeistert, ich habe sehr viel mehr Halt als wenn ich mit dem Stock gehe und kann auch längere Strecken bewältigen.“

Die Sportgruppe ist eine Kooperation von Kreissportverband, Seniorenbüro und dem Verein (Jugendmusik), der den Raum im Saldern-Haus zur Verfügung stellt. „Der richtige Umgang mit dem Rollator hilft den Senioren, ein selbstständiges Leben zu führen. Sie bleiben so mobil, können beispielsweise noch selbst zum Einkaufen gehen. Immerhin hat so ein Gerät fünf oder mehr Kilo Zuladung“, sagt Nicole Pingel, die eine Ausbildung zur lizensierten Übungsleiterin B Orthopädie, Sturzprophylaxe und Motopädagin absolviert.

Der Kursus dauert bis zum 11. Juli; eingebaut ist auch ein Bustraining am Dienstag, 23. Juni, um 10 Uhr auf dem SWN-Busbetriebshof an der Rendsburger Straße. Teilnehmen können auch Senioren, die nicht in der Sportgruppe sind. Ob ein weiterer Rollatorsport angeboten wird, steht noch nicht fest. Interessierte Senioren können sich aber beim Seniorenbüro auf eine Liste setzen lassen. Anmeldungen für beide Angebote werden im Seniorenbüro unter Tel. 942-2552 entgegengenommen.

Kommentar

von Gabriele Vaquette

Wir wissen es: Irgendwann sind wir mal alt – und dank moderner Medizin werden wir immer älter. Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Der Zahn der Zeit wird  nagen, und dann lächelt man nicht mehr über Senioren, die mit ihrem  „Chopper“ durch die Gegend rollern, sondern ist selbst so einer. Dann gilt es, das Gerät wie ein Auto korrekt handhaben zu können.   Denn wer möchte nicht alles noch machen können wie weiterhin? Ein Rollator-Kursus ist also nahe Zukunftsmusik, der richtige Umgang schafft Sicherheit, hält die Fahrer fit und mobil. Die Sportgruppe sollte nicht als Pilotprojekt im Raum stehen bleiben, sondern von anderen Sportvereinen als Impuls für weitere Projekte dieser Art dienen. Damit wir alle in Zukunft kraftvoll um die Kurve rollen können, wenn es notwendig ist.

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