Silvesterpremiere : Mit dem lütten Stubs ins Vergnügen

Mit viel Charme lässt Joseph Romeo (Frank Juds) die Freude ins Altersheim zurück kehren. Selbst Lisa Schön (Dörte Bracker, links) und Wilhelmine Weißbrodt (Erika Wittig) können wieder lachen.
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Mit viel Charme lässt Joseph Romeo (Frank Juds) die Freude ins Altersheim zurück kehren. Selbst Lisa Schön (Dörte Bracker, links) und Wilhelmine Weißbrodt (Erika Wittig) können wieder lachen.

Das Ensemble der Niederdeutschen Bühne spielte sich am Silvesterabend im Theater in die Herzen der 570 Besucher.

shz.de von
02. Januar 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Mit einem Lächeln auf den Lippen und mit einem Lied im Ohr – so wollten die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne ihre Gäste ins neue Jahr entlassen. Auch deshalb setzten sie das Musical „Een is so jung, as een sik föhlt“ von Frank McDonald und Victor Bach in der niederdeutschen Übersetzung von Klaus Lentsch aufs Programm. Am Silvesterabend feierte das Stück im restlos ausverkauften Theater in der Stadthalle seine Premiere.

„Wenn wir es schaffen, unserem Publikum den berühmten ,lütten Stubs’ zu geben, über den eigenen Schatten zu springen und das Leben von seiner schönen Seite zu betrachten, sind wir glücklich“, sagte vor der Premiere Bühnenleiter Dieter Milkereit, der für Regie und Bühnenbild verantwortlich zeichnete. Man durfte also gespannt sein.

Mit einem ungewöhnlichen Auftakt, vor verschlossenem Vorhang, begann das Stück. Eine große Leinwand gab einen Blick über die Elbe auf den Michel frei. Im Hintergrund kreischten die Möwen, und der Fluss plätscherte vor sich hin. Ganz klar: Man befand sich in Hamburg. Davon zeugten auch die beiden Matrosen Joseph Romeo (Frank Juds) und Conny (Uwe Ziegenhagen), die sich hier zufällig trafen und mit einem fetzigen Swing ihre Liebe zu Hamburg bekundeten. Dass die beiden wegen Schmuggels von der Polizei verfolgt wurden, schien sie nicht zu stören. Weltenbummler Romeo und Matrose Conny standen auf der Sonnenseite des Lebens. Und dorthin hatten sie bereits zu diesem Zeitpunkt einen Großteil der Besucher entführt. Fröhlich stimmte das Publikum in Frank Juds‘ Gesang ein.

Ganz anders sah es in dem kleinen Altenheim aus, in das es die beiden Matrosen auf ihrer Flucht verschlug. Hier wurde gegrantelt und gestichelt, was das Zeug hielt. Sehr zum Vergnügen des Publikums boten sich die Heimbewohner Lisa Schön (Dörte Bracker), Henriette Strohsack (Ellen Hansen), Wilhelmine Weißbrodt (Erika Wittig) und Julius Kleinstoll (Klaus Reumann) Wortgefechte, die es in sich hatten. Mit Bravour füllten sämtliche Laiendarsteller ihre Rollen auch dann aus, wenn sie nicht im Rampenlicht standen. Wunderbar biestige Gesichter, verbale Spitzen und umwerfende Gesten unterhielten das Publikum aufs Beste und ließen es immer wieder herzlich lachen und applaudieren. Und dann war da natürlich noch die Musik. Als Joseph Romeo, der sich inzwischen als neuer Gärtner im Altenheim eingenistet hatte, bewies Frank Juds großes musikalisches Talent. Ihm standen Klaus Reumann und Wolfgang Schütz als Bischof Felsenstein in nichts nach, als sie die Strophen des Titelsongs „Man ist so jung, wie man sich fühlt“ sangen, im Refrain stimmgewaltig unterstützt von den restlichen neun Darstellern. Das begeisterte Publikum fühlte sich da längst animiert, mitzusingen und selig zu schunkeln. Denn inzwischen hatte sich auch im Altenheim – Joseph Romeo sei Dank – alles zum Guten gewendet. Man sang miteinander und lächelte sich zu. Genau wie das Publikum, als es nach zwei äußerst vergnüglichen Stunden das Theater verließ. Allerbeste Voraussetzungen für 2015 also.

„Een is so jung, as een sik föhlt“ läuft von Freitag, 9. Januar, bis einschließlich Sonnabend, 17. Januar, jeweils um 20 Uhr im Studiotheater der Niederdeutschen Bühne. Nur die Vorstellung am 10. Januar beginnt um 15 Uhr, die am 11. Januar um 16 Uhr.

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