Minister kam zur Mitternachtsstreife

Dieter Jung, Leiter des ersten Polizeireviers (rechts) mit Innenminister Andreas Breitner, der Landtagsabgeordneten Kirsten Eickhoff-Weber (links) und Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth (2. von rechts). Foto: Steinhausen.
Dieter Jung, Leiter des ersten Polizeireviers (rechts) mit Innenminister Andreas Breitner, der Landtagsabgeordneten Kirsten Eickhoff-Weber (links) und Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth (2. von rechts). Foto: Steinhausen.

Andreas Breitner informierte sich in der Nacht zu Sonntag in Neumünster über die Einsatzbelastung der Polizei / Wanderung zu Brennpunkten

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14. Januar 2013, 08:57 Uhr

Neumünster | Es war eine etwas andere Stadtführung zu später Stunde: In der Nacht zu gestern ließ sich Innenminister Andreas Breitner kurz nach Mitternacht von Dieter Jung, Leiter des 1. Polizeireviers, bei einem einstündigen Spaziergang vom Großflecken zum Bahnhof und retour über die Sicherheit in der Stadt informieren. Dabei wurden auch einige mögliche Brennpunkte aufgesucht.

"Das habe ich unter anderem auch in Kiel und Flensburg gemacht. Man nimmt ganz andere Eindrücke wahr, weil nachts doch eine andere Atmosphäre herrscht", sagte Andreas Breitner Die symbolische Fußstreife, an der unter anderem auch Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber und Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth teilnahmen, stoppte zunächst am Eingang zum Klostergraben. Hier thematisierte Dieter Jung die Messerstecherei unter Rockern im ehemaligen Subway-Restaurant vor drei Jahren sowie die brutale Vergewaltigung, die sich jüngst im benachbarten Rencks Park ereignet hatte.

"Freitag- und sonnabendnachts spitzt sich das Einsatzgeschehen zu. Allein die Beamten des 1. Reviers fahren dann 20 und mehr Einsätze, die sich größtenteils außerhalb des Innenstadtkerns abspielen", berichtete Polizist Birger Gossen. Die eingehenden Notrufe seien stets unterschiedlicher Couleur. "Man kann sich nicht festlegen. Das erstreckt sich von Verkehrsunfällen über häusliche Gewalt bis zur Ruhestörung", hieß es.

Die Kneipen in der Innenstadt und in Bahnhofsnähe werden, wenn überhaupt, erst zu noch späterer Stunde relevante Einsatzorte. Meist gibt es Probleme, wenn Kneipenbesucher alkoholisiert den Weg nach Hause antreten. "Irgendwie müssen alle durch die Innenstadt. Da kann es schon mal zu Reibereien kommen. Es sind hier aber nicht ständig Schlägereien angesagt", merkte Polizist Gossen an.

Am Bahnhof ließ sich der Innenminister über ein Lokal an der Kaiserstraße unterrichten, das regelmäßig von Rockern frequentiert wird. Und auch zum geplanten Contras-Clubhaus an der Gasstraße führte die Nachtwanderung, bis es wieder zurück zum Großflecken ging.

Der Minister nutzte auf dem Weg auch die Gelegenheit, um sich von Stadtrat Humpe-Waßmuth über städtebauliche Planungen informieren zu lassen. Vor dem Marsch durch die Stadt hatte sich der Landespolitiker auf dem ersten Polizeirevier mit fünf von sieben Polizeibeamten einer Schicht unterhalten. "Wenn der Dienstherr im Haus ist, ist es wie Weihnachten. Man kann seine Wünsche vortragen und hoffen, dass sie erfüllt werden", sagte Dieter Jung. Ein Thema, das unter anderem angesprochen wurde, war der Neubau des Reviers. "Das ist wirklich dringend notwendig, wovon ich mich auch vor Ort überzeugen konnte", sagte Breitner. In der zweiten Jahreshälfte soll es mit dem Neubau losgehen. Am Ende der Tour war sich Innenminister Breitner sicher: Der schlechte Ruf Neumünsters ist deutlich übertrieben. "Die Beamten, mit denen ich gesprochen habe, sind allesamt hochmotiviert und stehen dem Kriminalitätsgeschehen in der Stadt ganz entspannt gegenüber. Neumünster ist nicht der Brennpunkt des Landes, was viele meinen", resümierte der Innenminister nach der Nachtschicht.

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