Rationalisierung : Mindestlohn kostet schon Taxi-Jobs

Taxen im Wartestand am Bahnhof. Fahrdienste via Facebook machen der Branche auch in Neumünster das Leben schwer.
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Taxen im Wartestand am Bahnhof. Fahrdienste via Facebook machen der Branche auch in Neumünster das Leben schwer.

Die geplante Erhöhung der Taxitarife stößt nicht überall in der Branche auf Zustimmung/ Argument: Kunden könnten ganz vergrault werden

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09. Januar 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Der neue Mindestlohn von 8,50 Euro hat im Taxigewerbe bereits die ersten Arbeitsplätze gekostet: Allein die Firmen in der Taxigenossenschaft 44444 haben sieben Fahrzeuge abgemeldet und zehn Fahrern gekündigt. Laut Fachdienstleiter Udo Wachholz sind der Stadt bereits weitere Konzessionsrückgaben angekündigt worden.

„Wir werden förmlich auseinander gerissen“, sagt Neumünsters Taxiobmann Thomas Heuer, der zugleich Vorsitzender der Genossen ist. Auf der einen Seite schreibe der Staat den Mindestlohn vor, auf der anderen stünden Behörden oder auch Krankenkassen, die sich bei Tarifverhandlungen nicht ausreichend bewegten. Ohne die vom Taxigewerbe beantragte Tariferhöhung (der Courier berichtete) sei mit weiteren Kündigungen und einer schlechteren Taxi-Versorgung zu rechnen, sagt Heuer.

Das Anhörungsverfahren läuft. Doch selbst innerhalb der Taxibranche werden höhere Tarife sehr kontrovers diskutiert, nachdem erst zum 1. Juni 2014 die Preise für die Anfahrt um 40 Cent auf 3,50 Euro erhöht worden waren. Dennis Templin ist Taxiunternehmer ohne Angestellte und fürchtet, dass mit einer neuerlichen Erhöhung des Tarifes „das Tourenaufkommen noch weiter reduziert werden könnte“. Noch mehr Fahrgäste würden ganz auf Taxen verzichten oder Alternativen suchen wie Fahrgemeinschaften, aber auch Schwarztaxen, die sich über soziale Netzwerke organisieren. Er hat in der Nachtschicht am vergangenen Sonnabend nachgezählt: Am Bahnhof standen 24, bei der Diskothek Orange Blue 13 Taxen weitgehend beschäftigungslos herum. Die Fahrer schoben im Schnitt 12-Stunden-Schichten, die Umsätze in dieser Nacht reichten bei Weitem nicht, um den Mindestlohn zu erwirtschaften, so Templin.

Sein Kollege Tobias Hartwig sieht es ähnlich. „Die Erhöhung ist zu wenig für den Mindestlohn“, sagt er und hat die Konsequenzen gezogen. Er hat von vier Autos auf ein Fahrzeug reduziert. Drei Jobs sind entfallen. Hartwig: „Ich bin jetzt Alleinkämpfer. Das Risiko Mindestlohn ist mir zu hoch.“ Dennis Templin sieht nur eine Lösung: „Die Zahl der Taxen noch weiter zu reduzieren, sodass es genügend Aufträge pro Wagen gibt.“ Aktuell gibt es in Neumünster 77 lizenzierte Taxen, also eines pro 1000 Einwohner. Damit liegt Neumünster im Mittelfeld der kreisfreien Städte: Kiel hat bei 280 Lizenzen ein Taxi auf 865 Einwohner, Lübeck bei 200 Wagen einen auf 1076 Einwohner, Flensburg bei 69 Lizenzen ein Taxi pro 1318 Einwohner.

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