Neumünster : Mildes Urteil für reuigen Dieb

justizhammer
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Weil er Geld für Drogen brauchte, klaute ein 25-jähriger bei der Freundin. Verurteilt wurde er zu einer Bewährungsstrafe.

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09. Mai 2018, 10:39 Uhr

Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt im Amtsgericht: Erst vor einem Jahr ist der 25-Jährige wegen Diebstahls und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nur zwei Monate nach dem Urteil konnte sich der Neumünsteraner, offenbar getrieben von seiner Kokainsucht und damit verbunden chronischem Geldmangel, wieder nicht beherrschen.

Ausgerechnet beim Bierabend einer 16-jährigen Freundin ließ er aus deren elterlichen Wohnung einen Laptop und mehrere Pandora-Ringe mitgehen.

Allerdings: Schon in der Nacht plagte den jungen Mann das Gewissen, wie dessen ehemaliger WG-Gefährte jetzt vor Gericht bestätigte. Er kam nach Hause und legte Goldketten, Ringe und Ohrringe auf den Tisch, sagte aber auch, dass er „Scheiße gebaut“ habe, beschrieb der Zeuge die Diebesnacht.

Als die Freundin am nächsten Tag anrief und nach dem Laptop fragte, habe sein Kumpel den Laptop-Klau sofort eingeräumt, das Notebook auch zurückgebracht. Dass er auch den Schmuck der Mutter hatte mitgehen lassen, verschwieg er. Dass der Schmuck gestohlen war, war dort offenbar noch gar nicht aufgefallen.

Erst als die Mutter, die von der Feier ihrer Tochter nichts wusste, zunächst ihre Tochter und dann deren Freunde zur Rede stellte, brachte der WG-Gefährte des Angeklagten die gestohlenen Pandora-Ringe zurück. Da war es allerdings schon viel zu spät: Weil der Schaden offenbar größer war, als zunächst angenommen, hatte die Familie Anzeige erstattet: Nicht nur der offen in der Wohnung gelegene Pandora-Schmuck, auch eine im Schlafzimmer versteckte Schatulle mit wertvollen Familienschmuck war verschwunden. Schätzwert immerhin 4000 bis 5000 Euro.

„Den Schmuck kenne ich nicht, ich bin auch nie im Schlafzimmer gewesen“, versicherte der junge Angeklagte und das Gericht konnte trotz intensiven Nachhakens das Gegenteil nicht belegen: Nicht auszuschließen, dass der Schmuck bei anderer Gelegenheit von anderen Langfingern stibitzt worden ist.

Unter dem Strich blieb der bis auf einen Ring zurückgegebene Pandora-Schmuck, den das Gericht dem Angeklagten zur Last legen konnte. Die Staatsanwältin lobte zwar das umfangreiche Geständnis des 25-jährigen, verwies jedoch auf seine vielen einschlägigen Vorstrafen. „Ich habe das Gefühl, dass Sie bislang weder Geld- noch Haftstrafen beeindruckt haben“ hielt sie dem Angeklagten vor und forderte sechs Monate Gefängnis ohne Bewährung. Der Verteidiger hielt dagegen, verwies auf die noch jugendliche Unreife seines Mandanten und forderte für ihn eine „zweite Chance“.

Den Ausschlag gab nicht zuletzt der Bewährungshelfer, der offenbar gute Chancen sieht, den 25-Jährigen sozial zu stabilisieren. Hilfreiche Unterstützung erhofft sich der Sozialarbeiter dabei auch von der neuen Freundin des Angeklagten. Die dreifache Mutter, die den dreistündigen Prozess gebannt von der Besucherbank verfolgte, hat ihrem Freund nach dessen Aussage schon mehrfach „in den Hintern getreten“, damit er seinem Leben die richtige Wendung gibt.

Darauf setzt offenbar auch die Richterin: Sie verurteilte den Dieb zu sechs Monaten Gefängnis, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss der Mann 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und eine neue Suchttherapie starten.

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