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Grüner Winter : Milde Temperaturen wecken die Natur

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gärtner und Naturschützer hoffen, dass der Frost nicht zu spät einsetzt. Die frühlingshafte Witterung lockt seltene Gäste aus dem Norden

von
erstellt am 08.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Was ist das nur für ein Winter? Von Schnee und Eis weit und breit keine Spur, und die Temperaturen erinnern eher an einen frühen Frühling als an den tiefen Winter, der jetzt bei uns eigentlich herrschen sollte. Gestern kletterte das Thermometer sogar bis auf angenehme 10,6 Grad. Das bringt auch die Natur durcheinander – oder nicht? Gärtner und Naturschützer bleiben gelassen: Noch bestehe kein Grund zur Sorge – eher im Gegenteil.

„Für uns Gärtner ist das Wetter eigentlich ideal“, räumt Gärtnermeister Peter Schneede unumwunden ein. „Wir können fast alle Winterarbeiten angehen, und die Heizkosten in den Gewächshäusern bleiben auch überschaubar“, freut sich der Meister. Was viele Gartenbesitzer gar nicht wissen: „Eigentlich ist jetzt beste Pflanzzeit!“ Denn – Schnee hin, Frost her – die Pflanzen orientieren sich in ihrem Jahreszyklus vor allem am Licht, weniger an den Temperaturen. Da es aber tagsüber kaum hell werde, blieben die Pflanzen in der Winterpause, erklärt Schneede. Kitzlig werde es folglich erst dann, wenn die Tage länger werden und dann noch einmal der Frost zuschlägt.

Sein Berufskollege Gerhard Lassen sieht das ganz genauso. „Momentan herrscht noch kein Alarm“, sagt der Gärtnermeister aus Tungendorf. Komme der Winter wie im vergangenen Jahr erst im Februar, könnten allerdings vor allem die Frühblüher Schäden davontragen. Er empfiehlt, empfindliche Pflanzen mit „natürlichem Frostschutz“ zu versorgen, etwa Rosenstöcke mit Tannengrün abzudecken, um sie vor Frostschäden zu schützen. Kontraproduktiv sind Folien, weil es unter ihnen schimmeln könnte oder sie das Wachstum erst recht anheizen, statt es zu verzögern.

Und dass der Winter noch nicht vorbei ist, ist für Gartenprofi Lassen ausgemachte Sache: Es wäre nicht das erste Mal, dass sich das Wetter in Nordamerika in abgeschwächter Form nach ein paar Wochen nach Europa verlagert, wagt Lassen eine kalte Prognose. Nur zur Erinnerung: Die USA kämpfen derzeit mit Schneestürmen und Temperaturen um minus 30 Grad.

Von solchen Aussichten scheint derzeit auch die Tierwelt nichts zu ahnen. Mancher Igel hat bereits sein Winterquartier verlassen, die Eichhörnchen räumen ihre Vorratslager, die ersten Amseln lassen sich beim Gezeter um die Revierkämpfe belauschen, hat Peter Hildebrandt vom Naturschutzbund Nabu beobachtet. Der Experte sieht dennoch keine Gefährdung für die Tierwelt durch deren Frühstart. Die Brutsaison ist noch einige Wochen hin, das Nahrungsangebot der Natur gut zugänglich. Auch hier gilt, was für die Pflanzen gilt: Nicht ein milder oder harter Winter, sondern ein später Wintereinbruch ist bedenklich.

Hildebrandt kann dem (bislang) zu warmen Winter daher durchaus positive Seiten abgewinnen. Weil es bei uns so schön warm ist, machen derzeit auch eher seltene Gäste aus dem Norden wie Bergfinken oder Schneeammern bei uns Station.

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