Diskussion um den Großflecken : Michaelis im Kreuzfeuer der eigenen Partei

Während des Verkehrsversuchs durften nur Busse und Taxen über den Großflecken. Thomas Michaelis (CDU)  fordert nun einen dauerhaften „Fußgänger-Boulevard vom Gänsemarkt bis zum Großflecken“.
Während des Verkehrsversuchs durften nur Busse und Taxen über den Großflecken. Thomas Michaelis (CDU) fordert nun einen dauerhaften „Fußgänger-Boulevard vom Gänsemarkt bis zum Großflecken“.

Ratsherr Gerd Kühl und die Junge Union halten die Vorschläge ihres Parteifreundes für einen Fußgänger-Boulevard für „Unsinn“. Lob kommt von der SPD.

Avatar_shz von
24. März 2014, 06:45 Uhr

Mit seiner Forderung nach einem „attraktiven Fußgänger-Boulevard vom Gänsemarkt zum Großflecken“ ist Ex-Bürgermeister Thomas Michaelis (CDU) auf heftigen Protest in seiner eigenen Partei und bei der Jungen Union (JU) gestoßen. Die FDP äußert sich kritisch. Lob gibt es dagegen von der SPD.

Michaelis, der die CDU auch im Bauausschuss vertritt, hatte im Courier ein „völlig neues Innenstadtkonzept“ gefordert und die Einzelhändler zum Umdenken aufgerufen. Wer sein Geschäftsmodell allein auf den Durchgangsverkehr abstelle, habe auf dem Großflecken künftig keine Chancen, so seine Meinung. Er reagierte damit auf eine Pressemeldung der Alternative für Deutschland (AFD), die eine Sperrung des Großfleckens als „Tod der Innenstadt“ ablehnt.

Michaelis’ Parteifreund, CDU-Ratsherr Gerd Kühl, kommentiert dessen Meinung süffisant: „Der Ex irrt, er verrät seine antiken Vorstellungen selbst.“ Offenbar sei Michaelis schon länger nicht mehr auf dem Großflecken gewesen. „Es gilt dort Tempo 20. Langsamer geht es nicht. Der Ehemalige sollte seine Ex-Ideen für sich behalten.“

Nach Ansicht des CDU-Nachwuchses Junge Union untergräbt Michaelis mit seiner einsamen Meinungsäußerung die Autorität der Fraktions- und des Kreisvorsitzenden. Es sei Besorgnis erregend, dass ausgerechnet der Ex-Bürgermeister und Ex-Kämmerer als erster mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit trete. „Abgesehen davon halten wir sein Statement für absoluten Unsinn“, sagt der JU-Vize-Vorsitzende und Ratsherr Jan Hinrich Köster. Gleichwohl geht die JU auch mit der eigenen Ratsfraktion hart ins Gericht: „Selbstverständlich hätten wir uns gewünscht, dass es heute schon ein Statement gibt.“

Die FDP hält die Forderungen von Michaelis für nicht folgerichtig. Ortsfremde hätten gerne einen Eindruck von der Innenstadt, bevor sie sich für einen Halt entschieden, führt der Kreisvorsitzende Dr. Wolfgang Stein in einem Offenen Brief aus. „90 Prozent der Menschen, die im Zentrum einkaufen, haben vorher im Auto gesessen.“ Könnten diese Besucher nicht durch die Innenstadt fahren, würden sie womöglich ihren Einkauf woanders hin verlegen, sagt er.

SPD-Fraktionschef Uwe Döring stimmt dagegen im Grundsatz mit den Vorstellungen von Michaelis überein. „Der Großflecken muss vom Durchgangsverkehr entlastet werden, damit er sich zu einem lebendigen Innenstadtzentrum entwickeln kann“, sagt er. Dass die AFD sich gegen eine Entlastung des Großfleckens ausspricht, verwundere ihn nicht. „Aber ich bin gespannt, ob sich in der CDU das aufgeschlossene Denken von Thomas Michaelis durchsetzt“, so Döring.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert