Folgen der Coronakrise : Meteorologe Niko Renkosik: „Viele Klimaziele können erreicht werden“

„Der März ist bisher 1,3 Grad wärmer als das langjährige Mittel von 1981 bis 2010 in Neumünster“, erklärt Niko Renkosik. Die Sonne schien bisher 115 Stunden – das kommt nicht nur den Tulpen an der Kirchengemeinde in Gadeland zugute.
„Der März ist bisher 1,3 Grad wärmer als das langjährige Mittel von 1981 bis 2010 in Neumünster“, erklärt Niko Renkosik. Die Sonne schien bisher 115 Stunden – das kommt nicht nur den Tulpen an der Kirchengemeinde in Gadeland zugute.

Der weitgehende industrielle Stillstand sorgt für weniger Treibhausgase. Der reduzierte Flugverkehr hat geringe Folgen.

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28. März 2020, 07:00 Uhr

Neumünster | Seit Einbruch des kalendarischen Frühlings strahlt täglich die Sonne, der Himmel ist azurblau. Sind das erste positive Auswirkungen der Corona-Krise fürs Klima?

„Nein. Richtig strahlend blauen Himmel bekommen wir bei polarer Kaltluft, weil diese nicht so viel Feuchtigkeit aufnimmt wie warme Luft und somit die Wassertropfen in der Atmosphäre das Himmelblau nicht milchig machen“, erklärt Meteorologe Niko Renkosik. Hoch „Jürgen“ bringt kontinentale Kaltluft aktuell aus Russland.

 Stillstand der Industrie ist deutlich spürbar

Auswirkungen habe die Coronakrise dennoch: „Der weitgehende Stillstand der Industrie ist deutlich spürbar, sodass wahrscheinlich für 2020 viele Klimaziele ohne Probleme erreicht werden können. Der Ausstoß der Treibhausgase ist derzeit weltweit deutlich reduziert“, erklärt Renkosik.

Bereits während der Finanzkrise 2008 konnte man solche Beobachtungen machen, so der gebürtige Gadelander. „Irgendwann wird die Coronakrise aber überwunden sein und dann könnte die Industrie durch eine verstärkte Produktion die Einsparungen während der Krise wieder komplett zunichte machen“, so Renkosik. Für das Klima habe die Coronakrise also wahrscheinlich keinen nachhaltigen Effekt – „es sei denn, die Menschen lernen daraus, dass sie endlich auch das Problem mit dem menschengemachten Klimawandel konkret in Angriff nehmen müssen und nicht mehr auf die lange Bank schieben können“, mahnt der Wetterexperte.

Kaum Folgen durch reduzierten Flugverkehr

Der reduzierte Flugverkehr habe hingegen keine nennenswerten Auswirkungen auf das Wetter. Weil weniger Flugzeuge fliegen, werden derzeit weniger Daten erfasst, die üblicherweise in die Wettervorhersage fließen.

Viele Flugzeuge messen und melden meteorologische Daten. Diese können aber durch Satellitenmessungen recht gut aufgefangen werden, sodass die Qualität der Wettervorhersagen nicht spürbar leiden wird. Niko Renkosik, Meteorologe
 

Kondenzstreifen von Flugzeugen haben Einfluss aufs Wetter

Da es in allen Atmosphärenschichten gerade sehr trocken sei, könnten sich gar keine Kondensstreifen bilden. „An Kondensstreifen kann gut abgelesen werden, wie der Feuchtigkeitsgehalt der Luft in Reiseflughöhe ist. Wenn die Luftfeuchtigkeit in etwa zehn Kilometer hoch ist, bilden sich Kondensstreifen und je nach Feuchtgehalt bleiben sie unterschiedlich lange bestehen“, so Renkosik.

Kondensstreifen haben aber einen Einfluss auf das Wetter. „Sie sind nichts anderes als hohe Eiswolken. Tagsüber wird es nur minimal kühler, nachts bleibt es aber wärmer“, sagt Niko Renkosik.

Und wie lange bleibt das Wetter noch so schön?

„Der Sonnabend bringt einen trockenen Wechsel aus Sonne und Wolken, bevor wir es dann wahrscheinlich am Sonntag oder Montag mit etwas Regen oder sogar Schnee zu tun bekommen werden“, sagt Niko Renkosik. Danach baue sich wieder etwas Hochdruckeinfluss auf. „Dieses Mal allerdings westlich von uns, sodass wir nicht wieder mit so einem strahlend blauen Himmel rechnen können“, sagt er.


 

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