Neumünster : Metaller fordern mehr Flexibilität

Hans-Jochen Tombarge, Betriebsratsvorsitzender bei Danfoss, streikte in der Nacht zu heute mit rund 50 Mitarbeitern der Nachtschicht für mehr Familienfreundlichkeit.
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Hans-Jochen Tombarge, Betriebsratsvorsitzender bei Danfoss, streikte in der Nacht zu heute mit rund 50 Mitarbeitern der Nachtschicht für mehr Familienfreundlichkeit.

Erster Warnstreik im Land bei der Firma Danfoss.

shz.de von
11. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie haben die Nase voll: Sie verlangen mehr Familienfreundlichkeit durch flexiblere Arbeitszeiten. In den ersten beiden Verhandlungsrunden lagen die Vorstellungen der Gewerkschaft IG Metall und des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall weit auseinander. Deshalb rief die Gewerkschaft gestern erstmals in Schleswig-Holstein auch rund 60 Mitarbeiter des Unternehmens Danfoss um 22 Uhr zu einem rund zweistündigen Warnstreik auf.

„Als großer Arbeitgeber in der Branche wollen wir mit dem Streik ein Signal senden“, erklärte Hans-Jochen Tombarge, Betriebsratsvorsitzender bei Danfoss. Rund 750 Beschäftigte arbeiten in dem international agierenden Unternehmen. „Die Stimmung bei den Danfoss-Beschäftigten ist gut, unser Arbeitgeber reagiert in Einzelfällen bereits flexibel, aber wir wollen einen festgeschriebenen Anspruch erwirken“, sagte Tombarge. Neben sechs Prozent mehr Geld für ein Jahr fordert die Gewerkschaft nämlich einen Anspruch auf eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden. Diese soll auf zwei Jahre begrenzt sein, „damit man danach auch wieder den Anspruch auf die vollen Stunden hat, die man vor der Reduzierung gearbeitet hat“, so Tombarge.

Mit diesen Forderungen möchte die Gewerkschaft größere Familienfreundlichkeit schaffen, sodass die Arbeitnehmer mehr Zeit haben, ihre Angehörigen zu pflegen oder auch ihre Kinder zu betreuen. Um sich die kürzeren Arbeitszeiten leisten zu können, fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten einen Zuschuss.

Der Arbeitgeberverband hatte bei der zweiten Verhandlungsrunde zwei Prozent mehr Lohn für 15 Monate und eine Einmalzahlung von 200 Euro angeboten. „Das ist eine Unverschämtheit“, erklärte Stephanie Schmoliner, Geschäftsführerin der IG Metall Kiel-Neumünster. Es werde weitere Warnstreiks im Land geben, auch bei Danfoss, kündigte sie an. Die Geschäftsführung des Unternehmens war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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