Neumünster : Messerstecher muss ins Gefängnis

justizia

Nach dem blutigen Streit in der Landesunterkunft wurde das Urteil gesprochen.

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25. Januar 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Ein junger Flüchtling (26) aus Afghanistan muss nach einem lebensgefährlichen Messerangriff für viereinhalb Jahre in Haft. Das entschied gestern Nachmittag nach vier Verhandlungstagen die 8. Strafkammer des Kieler Landgerichts.

Laut Anklage soll der Mann am 12. Juni 2017 in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Haart mitten in der Nacht mehrfach auf einen Albaner (20) eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben.

Über die Hintergründe der Tat gab es widersprüchliche Versionen. Der Angeklagte, der die Messerstiche über seinen Anwalt vor Gericht zugegeben hatte, hatte der Kammer von einem sexuellen Übergriff durch das spätere Opfer berichtet. Völlig schockiert habe sich der gläubige Moslem gegen die Annäherungsversuche gewehrt – erst mit einer Kopfnuss und einem Stich in den Arm. Erst als das nichts half, habe er Richtung Oberkörper gestochen, hieß es. Er habe den Mann aber sicher nicht töten wollen. Der junge Albaner wies sexuelle Absichten weit von sich. Stattdessen berichtete das Opfer, dass ihm sein Kontrahent zuvor 3500 Euro und seinen Pass gestohlen habe. Er habe ihn deshalb in das Flüchtlingsheim verfolgt und dort zur Rückgabe der gestohlenen Sachen aufgefordert. Daraus sei ein Streit entbrannt.

Bei der Bewertung der Tat habe das Schwurgericht weder der Darstellung des Opfers noch der des Angeklagten zum Tatverlauf geglaubt, erklärte der Richter. Vielmehr habe sich die Kammer vor allem auf Zeugenaussagen gestützt.

Nach Überzeugung des Gerichts stach der Angeklagte damals fünf Mal auf den Albaner ein. Er habe sich damit eines versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Das Opfer erlitt bei dem Übergriff mindestens zwei lebensgefährliche Einstiche in den linken Oberkörper, einer eröffnete den Thorax, der Lungenflügel kollabierte, wie der Vorsitzende sagte. Der junge Mann wurde durch eine Notoperation gerettet. Er trat als Nebenkläger in dem Verfahren auf, ist aber inzwischen wieder in Albanien.

Der Kammer zufolge fiel der nicht vorbestrafte Angeklagte bereits mehrfach im Zusammenhang mit Gewalttätigkeiten auf, ohne dass die Umstände geklärt seien. Er sei in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften erfasst worden und zwischenzeitlich mehrfach vorübergehend untergetaucht.

Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger hatte auf Notwehr plädiert und Freispruch beantragt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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