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Gerichtsprozess : Messerstecher aus Einfeld muss fast drei Jahre in Haft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gericht verurteilt 25-Jährigen nach einer Attacke in Einfeld

Neumünster | Die Staatsanwältin brachte es gestern Nachmittag in ihrem Plädoyer im Schöffengericht auf den Punkt: „Hier entscheiden Zentimeter. Hätte Ihr Messerstich das Opfer nur um Haaresbreite woanders getroffen, wäre es womöglich verblutet und Sie säßen nicht hier, sondern vor dem Landgericht wegen Totschlags“, hielt sie dem Angeklagten vor. Rund acht Stunden dauerte die Verhandlung gegen den 25-jährigen Neumünsteraner, an deren Ende die Richterin und die beiden Schöffen die Forderung von Staatsanwältin und Nebenklage übernahmen: Das Urteil gegen den arbeitslosen Sicherheitsdienstler lautete zwei Jahre und acht Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung.

Was in der Nacht zum 4. Juni zwischen 2 Uhr und 2.30 Uhr am Einfelder See, vor dem Bahnhof Einfeld, in der Neuen Straße und schließlich vor der Christuskirche an der Dorfstraße passierte, war zumindest in den Grundzügen unstrittig. Der Angeklagte hatte sich bereits am Nachmittag zuvor mit Freunden verabredet. Gemeinsam ging es an den Strand an der Schanze, wo bereits eine große Gruppe Jugendlicher feierte. Dabei wurde viel getrunken. Nach Mitternacht geriet die Gruppe in Streit. Auslöser war wohl eine Messerattacke gegen einen Jugendlichen. Der junge Mann wurde leicht im Brustbereich verletzt. „Das Messer hatte ich immer dabei, ich komme ja aus der Sicherheitsbranche“, erklärte der Angeklagte.

Die Stimmung war aufgeheizt. Während sich seine beiden Begleiter schließlich um kurz nach 2 Uhr Richtung Bordesholm absetzten, ging der Beschuldigte nach Hause in Richtung Bahnhof, wo er telefonierte. Dort riefen ihm drei Jugendliche (16/17) auf ihrem Heimweg einen Gruß zu. Daraufhin bedrohte der Angeklagte das Mädchen und die beiden Jungen mit seinem Messer. Das Trio suchte Schutz bei drei Männern, die vor einem Haus an der Neuen Straße auf ein Taxi warteten. „Ich hatte richtig Angst“, erklärte gestern einer der Jugendlichen im Gerichtssaal. Die Polizei wurde verständigt. Der Angeklagte setzte zunächst seinen Weg fort.

Damit er nicht flieht, folgte ihm schließlich einer der Männer (42), holte ihn vor der Kirche ein und packte ihn an der Schulter. Daraufhin stach der 25-Jährige dem Kraftfahrer in den Bauch und verschwand. „Ich dachte erst, er hätte mich getreten. Dann blickte ich an mir runter und sah das Messer in mir stecken“, sagte das Opfer. Der Mann musste notoperiert werden. Er kam erst jetzt aus der Reha, verlor seinen Job und hat noch immer physische und psychische Probleme. Die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen nach Einfeld gerast war, nahm den Angreifer kurz nach der Tat widerstandslos am Roschdohler Weg fest. Seitdem saß er in Untersuchungshaft. Eine Gutachterin bescheinigte dem einschlägig Vorbestraften gestern trotz 1,2 Promille Alkohol im Blut damals volle Schuldfähigkeit.

Der Mann aus einer zerrütteten Familie zeigte Reue und entschuldigte sich beim Opfer. Für eine im Januar beginnende Therapie in Hamburg wird seine Haft zunächst ausgesetzt.

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erstellt am 23.Dez.2016 | 08:00 Uhr

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