neumünster : „Menschlichkeit steht für uns an oberster Stelle“

Gläser auspacken, abwaschen, einräumen: Gabi und Walter Lorenzen vom DRK waren der Küchen-Trupp. Fotos: Vaquette (2)
Gläser auspacken, abwaschen, einräumen: Gabi und Walter Lorenzen vom DRK waren der Küchen-Trupp. Fotos: Vaquette (2)

Freiwillige des DRK verwandeln die Fröbelschule derzeit in ein Reha-Camp für Tschernobyl-Kinder. Dabei steht Sauberkeit ganz oben auf der Sorgfaltsliste.

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09. Juli 2018, 09:00 Uhr

Akkuschrauber surrten, Fenster, Wände, Tische und Stühle wurden abgewischt, stapelweise Kartons in die Gänge geschleppt, dazwischen bugsierten Mitglieder der DRK-Betreuungsgruppe und des Jugendrotkreuzes schwere Metallbetten-Teile in die Klassenräume: Etwa 50 Helfer verwandelten am Wochenende mit viel Enthusiasmus die Fröbelschule an der Flensburger Straße in ein Reha-Camp.

Morgen Abend erwartet das Team um Organisatorin Eberhardine Seelig von der Teestube David die krebskranken Kinder aus der Region Tschernobyl (Ukraine) und ihre Begleiter. Doch bis alles geschrubbt, geschoben und eingeräumt war, gab es noch kleine Hindernisse zu überwinden. „Wir brauchen noch 19 Schrauben und Unterlegscheiben“: Auf diesen Hilferuf hin flitzte Peter Seelig zum nächsten Baumarkt. Denn die sonst eingesetzten Betten lagerten in Räumen, die für Flüchtlinge vorgesehen sind und dem Bund (Bamf) gehören. „Da kommen wir nicht ran. Also mussten wir andere Betten benutzen“, erklärt Eberhardine Seelig. Die waren aber im Gegensatz zu den anderen nicht so einfach zusammenzubauen.

Dem erhöhten Zeitaufwand setzten die DRK-Helfer gute Laune entgegen: „Das ist für einen guten Zweck, wir verbringen unsere Freizeit gerne hier“, sagten Sandra Stehmeier, Sarah Bach und Aleen Doll. „Menschlichkeit steht für uns an oberster Stelle“, betonte Tabea Wulff, Gruppenführerin der DRK-Betreuungsgruppe im Katastrophenschutz. Die Betten hatten THW-Helfer am Freitag aus einem Lager der Teestube am Haart geholt.

Auch in den anderen Räumen wurde emsig gearbeitet. Anneke Schröder-Dijkstra, Zonta-Frau und ehemalige Leiterin der Theodor-Litt-Schule, putzte gemeinsam mit Landfrau Elke Gliesmann Fenster bis in den letzten Winkel am Gardinenbrett. Alles muss hygienisch einwandfrei sein, denn die Kinder aus der Tschernobyl-Region kommen nach Monaten der Therapie mit geschwächtem Immunsystem. „Wir machen das, weil jeder Beitrag hilft, so kann man den Kindern etwas Gutes tun“, sagten sie.

Anneke Schröder-Dijkstra (hinten) und Elke Gliesmann putzen Fenster.
Anneke Schröder-Dijkstra (hinten) und Elke Gliesmann putzen Fenster.
 

In der Küche packten Gabi und Walter Lorenzen vom DRK-Ortsverein Appen Gläser aus Kartons aus, spülten sie und räumten sie ein. „Alles bis auf das Geschirr der Fröbelschule importieren wir aus unseren Lagern, ob Bettzeug, Bademäntel oder Küchenmaschinen“, erklärte Eberhardine Seelig, die einiges auch aus ihrem Haushalt beisteuert.

Erwartet werden bisher 25 Kinder. „Aber ein Kind hatte bisher zu niedrige Leukozyten, also ein zu schwaches Immunsystem, und ein anderes hat epileptische Anfälle, da steht noch auf der Kippe, ob sie kommen. Beide werden am Montag nochmal ärztlich untersucht“, sagte Seelig.

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