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Hospiz-Initiative : Menschen würdig in den Tod begleiten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hospiz-Initiative startet Kampagne: Mehr Ehrenamtliche sollen für die anspruchsvolle Aufgabe als Hospizbegleiter gewonnen werden

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Neumünster | Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten, ihnen Zeit zu schenken, ihnen zuzuhören, auch für Angehörige in dieser schweren Zeit da zu sein, ist eine ungewöhnliche und anspruchsvolle Aufgabe. „Es ist eine Aufgabe, die das Leben erfüllt“, sagt Rosemarie Caspary. Die 79-jährige ist seit 20 Jahren ehrenamtliche Sterbebegleiterin der Hospiz-Initiative. „Man gibt viel, man bekommt auch viel zurück.“ Die Hospiz-Initiative startet jetzt eine Kampagne, um mehr Ehrenamtliche zu gewinnen. Denn für die Zukunft ist eine stärkere Vernetzung mit Pflegeheimen in der Stadt geplant (der Courier berichtete).

Es gibt viele Beweggründe, um sich als Sterbe- und Trauerbegleiter zu engagieren. Was erstaunlich bei dem ernsten Thema klingt – Wolfgang Eichler, seit 2015 dabei, sagt spontan: „Hospizarbeit macht auch Spaß.“ Der 69-jährige Tungendorfer und ehemalige Sonderschullehrer begleitet Sterbende vor allem in ihrem Zuhause. „Ich habe erlebt, wie Menschen in meiner Familie verstorben sind, außerdem bin ich christlich engagiert“, erklärt er seine Beweggründe. Ihm ist wichtig: „Auch Männer brauchen Begleitung. Aber Männer gehen an viele Dinge nicht so gefühlvoll heran. Bis sie Dinge an sich heranlassen, dauert das. Sie gehen auch mit ihrem eigenen Sterben anders um.“ Das bestätigt Petra Marré, die Leiterin des Hospiz-Dienstes: „Männer machen viele Dinge mit sich selbst aus, sagen, das schaffe ich schon.“ Männliche Ehrenamtler werden dringend gesucht.

Auch seit 2015 ist Kerstin Kock (54) aus der Gartenstadt dabei. Die Sozialpädagogin erlebte im Freundeskreis mit, wie schwer es den Menschen fiel, mit dem Thema Sterben und Tod umzugehen: „Da war eine Sprach- und Hilflosigkeit. Und ich habe das Feedback bekommen, dass ich die richtigen Worte finde.“ Sie hat beobachtet: „Um einen sterbenden Menschen herum herrscht eine Mischung aus Hoffnung und Hilflosigkeit. Keiner traute sich damals, als eine Mutter an Krebs erkrankte, zu reden. Jeder meinte, für den anderen stark sein zu müssen.“ In Familien verhindern oft Regeln, Grenzen, Zwist oder alte Streitigkeiten eine freie Kommunikation. Hospizbegleiter können hier vermitteln und offene Gespräche ermöglichen.

Schon vor 20 Jahren entschied sich Rosemarie Caspary, die als Laborantin arbeitete, für diese Ausbildung; sie gehörte der ersten Gruppe der Hospizbegleiter an. „Sterben und Tod – das war ein großes Tabu-Thema, es war ein neues Thema“, erinnert sie sich. Über ihre Mutter, die unter Parkinson litt und die sie fast täglich im Haus Berlin besuchte, lernte sie Dr. Christa Buchwald, eine der Gründerinnen der Initiative, kennen. Die Ausbildung empfand sie als „wunderbare Zeit“. Im Haus Berlin sprachen Senioren sie an: „Ihre Mutter hat das ja gut, uns besucht ja kaum jemand.“

Wichtig ist allen Dreien, dass die Teilnahme an der Ausbildung nicht verpflichtet, als Sterbe- oder Trauerbegleiter tätig zu werden, und dass diese Ausbildung darüber hinaus das eigene Leben befruchtet. Wolfgang Eichler: „Es geht nicht nur um die Begegnung mit Menschen in Grenzsituationen, sondern um den Umgang mit Menschen, das ist spannend und viel weitergehender.“ Wer sich für diese Aufgabe entscheidet, kann wählen zwischen verschiedenen Bereichen – und jeder merkt mit der Zeit, was ihm persönlich am besten liegt, ob Palliativstation, Einzelfall- oder Angehörigenbegleitung. „Und jeder wählt persönlich seinen Zeit-Etat aus, den er zur Verfügung stellt“, sagt Petra Marré. Auf der Auftakt-Veranstaltung werden sie und Ehrenamtliche ihre Arbeit vorstellen.

Programm am Dienstag, 9. Mai:

Programm im Festsaal der Stadthalle: Begrüßung um 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) durch den Vorsitzenden der Hospiz-Initiative, Günter Humpe-Waßmuth,

danach Vortrag von  Franz Müntefering, SPD-Politiker und ehemaliger Vizekanzler:  „Sterben gehört zum Leben – mit dem Ehrenamt zu einer humanen Gesellschaft“. Ihre Erfahrungen schildern ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeiter, gezeigt wird ein Kurzfilm aus der NDR-Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“.

„Das Ehrenamt“: Ein Gespräch mit Petra Marrée, Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes, Dr. Klaus Wittmack, Oberarzt, Palliativ-Station FEK, Geschäftsführer Jürgen Büstrin, Seniorenheim Haus Berlin, und Friedhofsleiter Peter Lang, Kirchliche Friedhöfe Neumünster.  Es musizieren der  Chor „Jetzt oder Nie“ und das Musikensemble Quartetto.

 

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