Kreishandwerkerschaft Mittelholstein : „Meister ist so viel wert wie der Master“

Gesprächskreis mit Kammerpräsident Günther Stapelfeldt (von links), Minister Bernd Buchholz, Moderator Carsten Kock, Thorsten Freiberg und Kreishandwerksmeister Michael Kahl.
Gesprächskreis mit Kammerpräsident Günther Stapelfeldt (von links), Minister Bernd Buchholz, Moderator Carsten Kock, Thorsten Freiberg und Kreishandwerksmeister Michael Kahl.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz sprach beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein.

shz.de von
06. Februar 2018, 18:51 Uhr

Beim Neujahrsempfang konnte die Kreishandwerkerschaft Mittelholstein einen prominenten Gast begrüßen. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) gab sich vor 200 Teilnehmern in Bad Segebergs Vitalia Seehotel die Ehre und fand dabei klare Worte.

Buchholz warnte davor, in Zeiten einer anhaltend guten Konjunktur wichtige Entscheidungen für die Zukunft zu versäumen. Wenn die Wirtschaft brummt und die Auftragsbücher voll sind, stelle gerade das eine sehr schwierige Phase dar: „Weil man sich dann voll auf das operative Geschäft konzentriert – und nicht die Weichen stellt für Probleme, die sich am Horizont auftun“, sagte er. Doch genau darauf komme es nun an.

Beispielsweise müsse beim Fachkräftemangel wirksamer gegengesteuert werden als bisher. Studieren sei nicht der „allein glücklich machende Weg“ nach dem Abitur. Buchholz forderte hier bei Gymnasiasten mehr Praxisbezug. Denn: „Der Meister ist genauso viel wert wie der Master“, sagte Buchholz.

Mehr Kenntnis über das Handwerk als attraktive Alternative zum Studium wünscht sich auch Kreishandwerksmeister Michael Kahl bei Schülern, Eltern und Lehrern. Und zwar verbindlich, mit Berufsorientierung als festem Bestandteil des Lehrplans. Das Handwerk habe derzeit kein Image als guter Arbeitgeber. „Das müssen wir ändern“, forderte Kahl. In der Realität böten sich schließlich vielversprechende Möglichkeiten. „Bei 130 Ausbildungsberufen ist für jeden etwas dabei“, so Kahl. Handwerker würden immer gebraucht. „Was nützt uns eine große Schar Akademiker, wenn keiner einen Nagel in die Wand schlagen kann? Letztlich entsteht ein Haus nicht nur am Computer.“

Buchholz will mehr junge Leute für eine duale Ausbildung begeistern. Auch solche ohne Abitur und hervorragenden Lebenslauf. 2017 waren rund 10 000 Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos, zeitgleich blieben Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt. „Sorgen Sie dafür, dass Modernität ins Handwerk einzieht“, forderte er. Begriffen wie „Geselle“ und „Jungmeister“ bescheinigte er zwar eine lange Tradition, doch seien sie heute nicht mehr zeitgemäß.

Buchholz: „Sie können im Handwerk viel dazu tun, dass schon durch den Sprachgebrauch die Attraktivität gesteigert wird.“Wenn moderne Laser-Technologie das Aufmaß eines Raums zuverlässig ermitteln könne, flöße ihm das mehr Vertrauen ein als die althergebrachte Methode. Moderator Kock: „Tradition ist kein Geschäftsmodell.“

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