Rechte Islamfeinde : Mehrere Neumünsteraner bei „Shegida“

Ähnlich wie in Kassel der Pegida-Ableger „Kagida“ entstand (Foto), gibt es in Schleswig-Holstein mittlerweile eine Gruppierung namens „Shegida“. Dort agieren vorwiegend Rechtsextremisten – einige kommen aus Neumünster.
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Ähnlich wie in Kassel der Pegida-Ableger „Kagida“ entstand (Foto), gibt es in Schleswig-Holstein mittlerweile eine Gruppierung namens „Shegida“. Dort agieren vorwiegend Rechtsextremisten – einige kommen aus Neumünster.

Dem islamfeindlichen Pegida-Ableger gehören Rechtsextremisten aus der Stadt an . Der NPD-Ratsherr ist Administrator der Facebook-Gruppe.

shz.de von
22. Januar 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Die islamfeindlichen Pegida-Ideen aus Dresden fallen offenbar auch im Norden auf fruchtbaren Boden. „Shegida“ (Schleswig-Holsteinische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) nennt sich die landesweit größte Gruppe, in der nach Angaben des Verfassungsschutzes insbesondere Rechtsextremisten die Inhalte aus Sachsen kopieren. Rund 230 entsprechende Mitglieder-Profile sind derzeit in einer Facebook-Gruppe von Shegida zu finden – darunter auch mancher Neumünsteraner, einer sogar mit exponierten Aufgaben.

„Dem Verfassungsschutz ist bekannt, dass die Aktivitäten von Personen aus dem Raum Neumünster unterstützt werden“, sagt Ove Rahlf, Sprecher des Innenministeriums, zum Courier. „Die Zahl der Profile, die augenscheinlich aus dem Raum Neumünster stammen, liegt im niedrigen zweistelligen Bereich. Informationen werden über alle gängigen Wege verbreitet. Das Internet spielt dabei die wichtigste Rolle, ist aber nicht alleiniges Kommunikationsmittel. Nach wie vor sind auch persönliche Kontakte von großer Bedeutung“, so der Sprecher. Dem Verfassungsschutz sind „mehrere Profile bekannt, die Personen der rechtsextremistischen Szene aus dem Raum Neumünster zuzurechnen sein dürften“, heißt es. Anders als bei Pegida, wo Rechtspopulisten aus der bürgerlichen Mittelschicht die treibende Kraft sind, komme im Norden bisher der Zulauf nahezu ausschließlich aus Kreisen der Rechtsextremen.

Eine zentrale Rolle bei Shegida spielt offenbar der Neumünsteraner NPD-Ratsherr Mark Proch. Bei Facebook agiert er als einer von zwei Administratoren der Gruppe. „Er ist dort die zentrale Figur“, heißt es dazu vom Neumünsteraner Bündnis gegen Rechts.

Sympathiebekundungen für islamfeindliche Ideen bekundet auf Facebook auch der NPD-Kreisverband Segeberg-Neumünster. „Der Dresdener Pegida-Gruppe gebührt unsere Anerkennung und Unterstützung! Macht weiter so!“, heißt es dort.

Öffentliche Shegida-Auftritte in Neumünster oder anderswo im Land sind derzeit nicht bekannt. Auch der Verfassungsschutz spricht vorerst ausschließlich von möglichen Aktivitäten Einzelner außerhalb Schleswig-Holsteins. „Es ist bekannt, dass Rechtsextremisten aus Schleswig-Holstein Interesse an einer Teilnahme an auswärtigen Veranstaltungen der Pegida-Bewegung haben. In Anbetracht der Dynamik der Entwicklungen um die Pegida-Bewegung kann sich diese Lage aber auch kurzfristig ändern“, so das Innenministerium.

Die Zahl der Shegida-Mitglieder scheint derzeit zu stagnieren. „Es fehlt offenbar der Zulauf aus rechtspopulistischen Kreisen“, teilt das Bündnis gegen Rechts mit. Dort hat man die Entwicklung von Shegida vor allem für Neumünster auch weiterhin im Auge. Sollte die Gruppe öffentlich auftreten wollen, würde man entsprechend sehr kurzfristig mit einer Gegen-Demonstration reagieren können, heißt es.

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