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Strassenverkehrsordnung : Mehr Tempolimits vor Kitas, Schulen und Altenheimen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Novelle ermöglicht Einrichtung auch in Durchgangsstraßen

Neumünster | „Wir sind von Straßen umzingelt“, sagt Holstenschulleiter Arno Engelmann mit Blick auf die Altonaer Straße, die Schützenstraße und die Wittorfer Straße. Nur in der Wittorfer konnte durch Initiative des Schulelternbeirats und mit Unterstützung des Stadtteilbeirats vor dem Gymnasium ein Tempo-30-Abschnitt eingerichtet werden. Aber das könnte künftig deutlich einfacher werden.

Eine Änderung der Straßenverkehrsordnung ermöglicht es den Kommunen, vor Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Seniorenheimen auch an Hauptverkehrsstraßen die Geschwindigkeit zu verringern. Bisher musste die Stadt nachweisen, dass an solchen Gefahrenstellen besonders viele Unfälle passieren.

Udo Wachholz, der Leiter des Fachdienstes Bürgerservice, Öffentliche Sicherheit und Ordnung, nennt die Novelle „grundsätzlich eine gute Sache. Es geht um den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer“. Die Stadt müsse aber zunächst die neue Verordnung auswerten. Danach will Wachholz möglichst schon im Januar 2017 die Polizeidirektion, Verkehrsplaner, Verkehrsbehörde und Fachdienst Tiefbau zu einem Gespräch bitten. Auch die Stadtteilbeiräte sollen eingeschaltet werden. „Und dann werden wir das umsetzen“, kündigt Wachholz an. Ganz billig werde das für die Stadt wohl nicht, vermutet er. Pro Kita oder Schule müssten mindestens zwei Verkehrsschilder aufgestellt werden.

Bei Verkehrsexperten und den Stadtteilbeiräten stößt das auf eine positive Resonanz. „Ich freue mich, dass der Schulweg an einigen Stellen sicherer wird“, sagt Einfelds Stadtteilvorsteher Sven Radestock. Einfelds Beirat hatte sich zuletzt im Oktober für Tempo 30 an der Dorfstraße, dem Roschdohler Weg vor der Alexander-von-Humboldt-Schule sowie an der Kieler Straße vor der Seniorenwohnanlage am Tannhof stark gemacht. Radestock kann sich jetzt auf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt berufen. Der hatte die Novelle so begründet: „Schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kinder oder Senioren brauchen einen besonderen Schutz.“

Das sieht Dr. Jasper Lehmann, der 1. Vorsitzende der Verkehrswacht in Neumünster, ebenso. „Kleinere Kinder können Geschwindigkeiten gar nicht einschätzen.“ Für Gerhard Hillebrand, den stellvertretenden ADAC-Landesvorsitzenden, hat die Geschichte zwei Seiten. Es gehe um den Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern, aber Tempo-30-Zonen seien nicht zwangsläufig verkehrsfördernd, sagt Hillebrand und fügt hinzu. „Wenn da kein blinder Aktionismus ausbricht, fahren wir besser: Sonst haben wir vielleicht wieder den Schilderwald, den wir nicht wollen.“

 

Kommentar von Rolf Ziehm

Augenmaß walten lassen

Die neue Verordnung erleichtert, was zuvor nur mit großen Schwierigkeiten  durchzuboxen war. Siehe die Beispiele Roschdohler Weg/ Waldorfschule und Wittorfer Straße/Holstenschule. Wo Gefahrenstellen ausgemacht sind, müssen sie entschärft werden. Allerdings ist  Augenmaß gefragt. Nicht vor jedem Altenheim macht Tempo 30 auch Sinn. Den Ring sollte man als Hauptverkehrsader nicht limitieren. Überhaupt liegen die meisten Kitas und Schulen bereits in Tempo-30-Zonen. Das Problem dort ist die Unvernunft von Autofahrern, die sich nicht daran halten. Und oftmals sind das die Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren.

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erstellt am 20.Dez.2016 | 07:30 Uhr

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