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Vicelinviertel : Mehr Schwung für die Sanierung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf einer Sondersitzung will der Bauausschuss die Chancen ausloten, den Stadtteil endlich voranzubringen. Die Hauseigentümer ziehen noch nicht mit

Neumünster | Das Vicelinviertel bleibt das Sorgenkind der Stadtentwickler: Hoher Ausländeranteil, überdurchschnittlich viele Hartz-IV-Bezieher, vielfach schlechter Wohnungsbestand. Auf einer Sondersitzung will der Bauausschuss in der kommenden Woche, 8. Oktober, ausloten, wie die Aufwertung des Stadtteils endlich gelingen kann. Die Stadt schlägt neue Richtlinien zur Förderung von Sanierungsvorhaben vor, die Politik will eigene Vorschläge machen, wie der ins Stocken geratene Sanierungsprozess voranzubringen ist.

Denn die Zeit drängt: Voraussichtlich 2019 /2020 wird der Stadtteil aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ wieder herausfallen. Seit 1999 wurden unzählige Kleinstprojekte (Begrünungen, Hofsanierungen) über das von Bund und Land unterstützte Förderprogramm angeschoben. Auch einige Großprojekte wie etwa der Bau des neuen Bürgerzentrums an der Kieler Straße und dessen enge Verknüpfung mit der Stadtteilschule stehen auf der Erfolgsseite der Stadtplaner.

Trotz dieser Erfolge sei es aber bis heute nicht gelungen, die Hauseigentümer im Viertel mitzuziehen, bemängelt etwa Helga Bühse, baupolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion. Auch nach 15 Jahren Sanierungsgebiet wird an zahlreichen Häusern im Quartier nicht oder nur das Notwendigste saniert. Der Wohnungsbestand gilt – von Ausnahmen abgesehen – als schlecht. „Wir müssen die verbleibende Zeit nutzen, die Förderung noch effizienter zu gestalten“, fordert Bühse und rennt damit bei der SPD offene Türen ein. „Wir wollen keinen Schuldigen suchen, aber intensiv darüber nachdenken, wie es besser laufen könnte“, erklärte gestern Bauausschussvorsitzender Axel Westphal. Um das Thema ausgiebig diskutieren zu können, hatte die SPD den Wunsch der CDU nach einer Sondersitzung im Bauausschuss unterstützt und den Komplex Anfang September im Ausschuss vertagt (der Courier berichtete).

Um den Wohnungs- und Hausbestand im Quartier nachhaltig zu verbessern, will die Stadt die Förderquoten für Sanierungsvorhaben auf bis zu 100 Prozent anheben. Die CDU lehnt das ab und will im Ausschuss eigene Vorschläge vorlegen: Helga Bühse fordert unter anderem eine stärke Gewichtung, um spürbare Effekte auch für das gesamte Stadtbild zu erreichen. So sollen etwa schwerpunktmäßig Häuserfronten an der Christianstraße zwischen Bismarckstraße und Am Alten Kirchhof saniert werden. Die Gewerbeflächen sollten reaktiviert und der vorhandenen Architektur angepasst werden. „Wird vom Grundeigentümer keine gewerbliche Nutzung mehr angestrebt, sollte dafür Wohnraum vorgesehen werden“, schlägt Bühse vor. Die Freiflächen vor dem künftigen AJZ möchte die Ratsfrau zu einer ansprechenden Parkfläche umgestalten lassen. Fördergelder für die Innenhofgestaltung – bislang ein Schwerpunkt der Sanierungen im Quartier – soll es künftig nur noch geben, wenn die Hausbesitzer sich auf Konzepte einlassen, die auch ökologisch oder klimapolitisch Sinn machen.

Die Sondersitzung zum Vicelinviertel findet im Bildungszentrum an der Kieler Straße 90 statt. Sie beginnt um 17.30 Uhr.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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