Friedrich-Ebert-Krankenhaus : Mehr Patienten, aber immer weniger Geld

FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen macht sich Sorgen wegen der zunehmenden Infektionskrankheiten.
FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen macht sich Sorgen wegen der zunehmenden Infektionskrankheiten.

Der Kampf um die Finanzierung bleibt auch 2015 ein großes Thema im Friedrich-Ebert-Krankenhaus.

von
21. Januar 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Für Alfred von Dollen steht der Kampf um eine sachgerechte Finanzierung des Friedrich-Ebert-Krankenhauses (FEK) auch in diesem Jahr ganz oben auf der Agenda. Der FEK-Geschäftsführer spricht vom „Systemfehler Tarifschere“.

Das soll heißen: Die Personalkosten stiegen in den vergangenen Jahren deutlich höher als die Budgets für die medizinische Behandlung der Patienten. Der Mehraufwand von 2006 bis 2014 dadurch beträgt im FEK 6,3 Millionen Euro und musste durch Einsparungen oder Mehrerlöse an anderer Stelle selbst erwirtschaftet werden.

Alfred von Dollen nennt ein Beispiel. Obwohl in der Intensiveinheit des FEK im vergangenen Jahr etwa 100 Patienten mehr (plus 20 Prozent) behandelt wurden, gab es dafür 2 Millionen Euro weniger Geld von den Krankenkassen. „Das hat uns im Herbst voll erwischt“, sagt der FEK-Chef.

Medizinische Fortschritte in der Behandlung machten weniger Beatmungsstunden nötig, aber für das FEK zahlte sich das nicht aus. Im Gegenteil: „Es kann nicht sein, dass bei Qualitätsverbesserungen die Krankenhäuser quasi bestraft werden. Die Politik lässt sich hier nicht erweichen“, sagt Alfred von Dollen.

Gegenzusteuern versuchte das FEK durch eine bessere Auslastung. So stieg die Belegung im vollstationären Bereich um 3 Prozent. Nach 23  600 Patienten im Jahr 2013 wurden im vergangenen Jahr mehr als 24  300 Patienten versorgt. Die zusätzlichen Patienten gab es vor allem in der Inneren Medizin. Die Steigerung war nur möglich, weil die Verweildauer, also die durchschnittliche Liegezeit pro Patient, von 8,2 auf 7,8 Tage zurück ging.

Sorgen machen auch im FEK die Infektionskrankheiten. „Der Kampf dagegen wird uns künftig verstärkt beschäftigen“, sagt von Dollen und nennt die Stichworte Multiresistente Keime, Noro-Virus und Ebola. „Wir haben bisher noch keinen Ebola-Patienten im FEK gehabt, aber längst Vorsorge dafür getroffen“, so von Dollen. Er hofft, dass dieser Ernstfall nie eintreten wird: „Das bindet enorme Kapazitäten.“

Das FEK hat sein Personal im Kampf gegen Infektionskrankheiten aufgestockt und drei zusätzliche Hygienefachkräfte eingestellt. Mit 1966 Beschäftigten, davon 140 Auszubildenden, blieb die Mitarbeiterzahl konstant. „Wir sind damit der größte Arbeitgeber in der Region“, sagt von Dollen nicht ohne Stolz. Laut der Industrie- und Handelskammer liegt das FEK in der Liste der größten Unternehmen des Landes auf Platz 12.

Und einen kleinen Seitenhieb auf die Uni-Klinik kann sich von Dollen nicht verkneifen: „Im Gegensatz zum UKSH setzen wir die Zusammenarbeit mit der DRK-Schwesternschaft fort.“ Von den 1966 Mitarbeitern kommen allein 310 vom DRK.

Kommentar von Thorsten Geil

Koste es (fast), was es wolle!

Es gibt viele Aufgaben, die ein privates Unternehmen besser und günstiger erledigen kann als eine Kommune. Darum züchtet beispielsweise die Stadt Neumünster schon längst keine eigenen Stiefmütterchen mehr für ihre Grünanlagen. Aber es gibt auch genug Bereiche, die eine Stadt lieber nicht aus der Hand gibt. Darum war es immer richtig, dass Neumünster weder die Stadtwerke oder das Schwimmbad noch die Wobau oder das Klärwerk verkauft hat. Und zu diesen elementaren Dingen zähle ich auch unser Krankenhaus. Sicherlich könnte die Stadt das FEK an einen Klinikkonzern verkaufen und wäre auf einen Schlag einen Kostgänger los. Aber sie gäbe auch einen Kernbereich der Daseinsvorsorge aus der Hand. Viele Städte, die diesen Weg gegangen sind, bereuen es längst, denn für  Patienten und Mitarbeiter hat sich dort längst nicht alles zum Guten entwickelt. Mir ist deutlich wohler dabei, wenn die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat mit Neumünsteranern besetzt sind, als wenn die Entscheidungen in einem fernen Gesundheitskonzern gefällt werden. Das FEK muss in städtischer Hand bleiben, koste es (fast), was es wolle. Die Art und Weise, wie unser Gesundheitssystem finanziert wird, müsste dagegen mal dringend auf den Prüfstand.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen