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Gesundheitsreport : Mehr Kranke als im Landesschnitt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

DAK-Studie weist Neumünster einen Spitzenplatz bei den Krankschreibungen zu. Psychische Ursachen steigen dramatisch an

von
erstellt am 11.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Macht Neumünster krank? – Eine Erhebung der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) weist für Neumünster sowohl im Bundes- als auch im Landesvergleich einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand aus. Danach kletterte die Krankenquote in der Stadt im vergangenen Jahr von 3,9 auf 4,1 Prozent. Im Bund stieg die Quote auf 4,0, in Schleswig-Holstein auf 3,9 Prozent.

Konkret: An jedem Tag des vergangenen Jahres waren von 1000 DAK-Versicherten in der Stadt 41 krankgeschrieben. Zum Vergleich: Für den Kreis Stormarn errechnet die Studie nur 36, für Flensburg und Schleswig-Flensburg 39 Krankschreibungen pro 1000 Versicherte. Am schlechtesten schneiden im Land die Kreise Plön und Ostholstein mit 44 Krankschreibungen ab.

So recht erklären kann man sich den erhöhten Krankenstand für Neumünster auch bei der DAK nicht. Torsten Matzen von der Geschäftsstelle an der Plöner Straße verweist auf die starke Zunahme von psychisch bedingten Krankheiten, die naturgemäß längere Ausfallzeiten nach sich zögen.

Das gilt allerdings auch für andere Regionen: So hat die Zahl der psychischen Erkrankungen der Studie zufolge landesweit um mehr als ein Drittel (35 Prozent) zugenommen. Die Fehltage durch Angstzustände, Depressionen etc. haben danach seit dem Jahr 2000 um fast 90 Prozent zugenommen. Psychische Erkrankungen sind damit zur zweithäufigsten Ursache für krankheitsbedingte Ausfalltage aufgestiegen. Fast jede sechste Krankschreibung in Neumünster (16,1 Prozent) stützte sich 2013 auf diese Diagnose. Lediglich Erkrankungen am Muskel-Skelett-System, meist Rückenprobleme, werden häufiger diagnostiziert. Gut jede vierte Krankschreibung fällt in diese Kategorie. Auch Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis haben zugenommen. Die hierauf zurückzuführenden Ausfalltage stiegen um 25 Prozent.

Aus gegebenem Anlass haben die DAK-Statistiker auch die Stressbelastung im Job unter die Lupe genommen: Erstaunlichstes Ergebnis: Erwerbstätige Eltern leiden – trotz ihrer Doppelbelastung durch Familie und Beruf – offenbar nicht mehr unter chronischem Stress als Berufstätige ohne Kinder. An familienfreundlichen Bedingungen in den Betrieben kann das nicht liegen: Laut Studie glauben zwei Drittel der erwerbstätigen Eltern, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern. Aber nur ein Drittel kann solche Angebote auch tatsächlich nutzen.

Standpunkt

Statistiken sind  seit  jeher mit großer Vorsicht zu genießen. Das gilt auch  für Statistiken aus dem Gesundheitswesen, besonders wenn man  von den Zahlen auf kausale Zusammenhänge rückschließen will. Dennoch lassen die Zahlen aus dem DAK-Gesundheitsreport  erschrecken: Dass binnen Jahresfrist die Zahl der Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen um ein Drittel zunimmt, darf durchaus als Alarmzeichen  begriffen werden. Irgendetwas stimmt da nicht mit den Arbeitsplätzen. Das Phänomen verdient eine genauere Betrachtung.

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