Neumünster : Mehr Frauen an die Technik-Front

Lidia Cimino (29) hat sich bewusst für einen technischen Beruf entschieden. „Mir war immer schon klar, dass ich keinen typischen Frauenberuf machen würde. Schon als Teenager habe ich mit Autos, nicht mit Puppen gespielt und herumgebastelt“, sagt die Brokstedterin.
Lidia Cimino (29) hat sich bewusst für einen technischen Beruf entschieden. „Mir war immer schon klar, dass ich keinen typischen Frauenberuf machen würde. Schon als Teenager habe ich mit Autos, nicht mit Puppen gespielt und herumgebastelt“, sagt die Brokstedterin.

Weltfrauentag: „Frauen-Power“ in Männerberufen: Drei Elektrikerinnen schätzen das Handwerkliche. Gezielte Werbung um Mädchen.

shz.de von
08. März 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Ventilstecker, Mess-Spitzen, Schraubendreher, Abisolierzange, Unterlegscheiben und diverse Buchsen liegen am Arbeitsplatz von Carola Vielhaber (46, oben links) in der Küchengeräte-Werkstatt des DB-Instandhaltungswerks. Seit 1990 arbeitet die Elektrikerin hier – denn der einstige Chauvi-Spruch hat sich ins Gegenteil verkehrt: Frauen stehen in Technikberufen ihren Mann.

25 der 550 Mitarbeiter sind Frauen, vier der 35 Azubis. Der Anteil soll sich deutlich erhöhen. „Wir werben gezielt um Mädchen und junge Frauen, haben eine Kooperation mit der Gemeinschaftsschule Brachenfeld und bieten gezielt ,Girls-go-Technik’-Tage an“, sagt Personalreferentin Katrin Suhr.

„Habt Ihr Eure Sekretärin mitgebracht?“ Das musste sich Claudia Kracht (48, oben rechts, mit Elektromotor) vor 20 Jahren anhören. Die gebürtige Itzehoerin lernte im DB-Werk Energieanlagen-Elektronikerin, war unter 16 Azubis die einzige Frau. „Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Die geburtenstarken Jahrgänge konnten es sich auf dem Arbeitsmarkt nicht aussuchen. Ich wollte aber auf keinen Fall ins Büro“, erinnert sie sich. Später auf Montage setzte es auch so manch (männliche) rüde Kommentare. Doch sie blieb: „Man muss sich als Frau behaupten, sich nicht alles gefallen lassen, aber auch nicht zu sensibel sein.“ Als die Kinder kamen, ermöglichte ihr die Bahn einen Teilzeitjob: „Das war familienfreundlich, ich bereue es nicht“, sagt sie.

„Frauen arbeiten genauso begeistert, gewissenhaft und gründlich wie Männer“, sagt Fertigungsmeister Ole Neels, der für die etwa 80 Mitarbeiter in der Werkstatt zuständig ist. Mit dem gezielten Werben um junge Frauen wolle man das „Denken in Schubladen verändern.“ Von den 200 000 DB-Mitarbeitern in Deutschland sind mehr als 45 000 Frauen – 23 Prozent.

Das Ziel: Bis 2020 soll ein Viertel der Mitarbeiter weiblich sein, jede fünfte Führungsposition von einer Frau besetzt sein. Mit Schulkooperationen, Arbeitszeitmodellen wie individuelle Schichtpläne, Home-Office, „Führung in Teilzeit“ und Mentoring-Programmen umwirbt die Bahn gezielt die weibliche Klientel – Folge des akuten Fachkräftemangels.

Ganz bewusst für einen technischen Beruf hat sich Lidia Cimino (29) entschieden. „Mir war immer schon klar, dass ich keinen typischen Frauenberuf machen würde. Schon als Teenager habe ich mit Autos, nicht mit Puppen gespielt und herumgebastelt. Wenn etwas kaputt war, und man es wieder hinkriegte, war das toll“, sagt die Brokstedterin. Während andere Frauen Kaffee ausschenken, ist für sie das kompliziert aussehende Innenleben eines Kaffee-Automaten „null problemo“ (Foto links).

Carola Vielhaber kam eher per Zufall zum Technik-Beruf. Sie arbeitete zehn Jahre lang in der großen Werkshalle in den Zügen. Wenn sie PC-Kabel ausbessert, Stecker anschraubt, den Stromfluss prüft oder Leitungen erneuert, ist das filigrane Handarbeit: „Man muss sich stark konzentrieren, aber es ist interessant. Und man sieht am Ende, was man geschafft hat“.


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