Verkehrskontrollen in Neumünster : „Mehr Blitzer sind keine Lösung“

Aus dem Kofferraum eines Autos  heraus blitzt die Verkehrsüberwachung der Stadt (hier auf der Schützenstraße in Höhe der Schwalebrücke) bisher mit einem Gerät die zu schnell fahrenden Autos.
Aus dem Kofferraum eines Autos heraus blitzt die Verkehrsüberwachung der Stadt (hier auf der Schützenstraße in Höhe der Schwalebrücke) bisher mit einem Gerät die zu schnell fahrenden Autos.

Die Zahl der Raser steigt, die Bußgeldeinnahmen sinken aber – trotzdem setzt die Politik eher auf die Vernunft der Fahrer

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20. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | 6000 registrierte Raser mehr gab es im vergangenen Jahr als 2016. Dennoch sanken die Einnahmen der Stadt durch Verkehrssünder von mehr als 1,65 Millionen Euro in 2016 auf nur noch 1,44 Millionen – vor allem deutlich weniger „Knöllchen“ fürs Falschparken sorgten für die Verluste.

Gut 300.000 Euro Bußgeld für Geschwindigkeitsüberschreitungen nahm die Stadt 2017 ein. Das ist angesichts der deutlich höheren Zahl an Verkehrssündern in diesem Bereich aber nur ein leichtes Plus. Und deutlichere Maßnahmen gegen Raser durch mehr Blitzer lehnt die Politik ab. „Ich halte nichts davon, die Bürger immer mehr zu bevormunden. Mehr Blitzer sind keine Lösung“, sagt etwa CDU-Fraktionschef Gerd Kühl. Wenn die meisten Menschen, die geblitzt werden, maximal zehn Stundenkilometer schneller fahren würden, sei dies „nicht besorgniserregend“. BfB-Fraktionschef Jörn Seib appelliert an die Vernunft der Autofahrer. „Feste Blitzer bringen ohnehin nichts, weil dann 300 Meter weiter Gas gegeben wird“, meint er, gibt aber zu: „Vor unserem Fraktionsbüro an der Christianstraße wird schon richtig gerast. Das ist echt gefährlich.“ Er sei für Tafeln, die je nach Geschwindigkeit lachende oder weinende Gesichter zeigen.

Neue Blitzer, nur um Geld zu kassieren, lehnt auch Franka Dannheiser (SPD) ab. „Wenn allerdings an manchen Stellen in Neumünster, etwa auf dem Zubringer in Höhe des A&B-Centers, ständig gerast wird, müssen erzieherische Maßnahmen her. Und da ist ein fester Blitzer sinnvoll“, sagt sie. Grünen-Kreischef Hans Heinrich Voigt fordert ein Gesamtkonzept für den Verkehr mit „klaren verkehrstechnischen Vorgaben“. So müsse innerhalb des Rings grundsätzlich Tempo 30 gelten. Er bevorzuge Verkehrshügel auf der Straße oder bauliche Verengungen statt Blitzer, um den Verkehr zu entschleunigen.

„Wer sich nicht an Verkehrsvorschriften hält, muss dafür auch zahlen“, betont FDP-Fraktionschef Reinhard Ruge. Bevor man aber einfach neue Blitzer anschafft, sollte man auf die Erfahrungswerte aus anderen Städten zurückgreifen, rät er.

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