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Diakonie : Mehr Arbeit für die Schuldnerberatung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bilanz: Akute Notfälle haben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.

von
erstellt am 20.Feb.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Die Zahl der Neumünsteraner, die Hilfe bei der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein sucht, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Waren es 2013 noch 513 Personen, die eine allgemeine Schuldnerberatung in Anspruch nahmen, stieg die Zahl 2014 auf 613 Personen an. Die Zahl der Insolvenzberatungen erhöhte sich im vergangenen Jahr von 492 auf 507. Der Anteil von Männern und Frauen ist annähernd gleich.

„Es sind in erster Linie die akuten Fälle, die inzwischen deutlich mehr Raum einnehmen“, sagt Fachbereichsleiterin Sibylle Schwenk. Während es in früheren Jahren hauptsächlich um die Regulierung alter Schulden ging, müssen die Berater heute häufig Soforthilfe leisten. „Oft handelt es sich um Menschen mit Strom- oder Mietschulden, die schnelle Hilfe benötigen. Wir kümmern uns dann unter anderem um Ratenvereinbarungen mit Gläubigern, sprechen mit Arbeitgebern, um eine Lohnpfändung abzuwenden oder prüfen, ob ein Anspruch auf Sozialleistungen besteht“, sagt Sibylle Schwenk.

Auf Anfrage des Beirats der Schuldnerberatung haben die Mitarbeiter am Alten Kirchhof die Erwerbssituation Alleinerziehender in der Insolvenzberatung näher unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 507 Personen im gerichtlichen Insolvenzverfahren oder bei einer außergerichtlichen Einigung mit Gläubigern beraten. 67 von ihnen waren alleinerziehend, der Anteil der Frauen lag bei 91 Prozent.

Insgesamt leben in Neumünster rund 3000 Alleinerziehende – und viele von ihnen haben keinen Job. „Betrachtet man die beratenen Frauen in der Altersgruppe bis 35 Jahre, liegt der Anteil Alleinerziehender bei 31 Prozent – zwei Drittel davon hat keine Berufsausbildung“, sagt Sibylle Schwenk. Die Beschäftigungsquote der verschuldeten Alleinerziehenden in Neumünster liegt mit 27 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 68,8 Prozent.

Für die 44-Jährige ist die Qualifikation dieser Frauen der einzige Schlüssel, um den Weg ins Leben zurückzufinden: „Wenn nicht der große Prinz kommt und alles regelt, dann ist man mit 60 immer noch in der gleichen Situation.“ Helfen könnten laut Sibylle Schwenk vor allem der Ausbau der Kinderbetreuung und bessere Möglichkeiten für Ausbildungen in Teilzeit.

Grundsätzlich raten die Schuldnerberater allen Betroffenen, sich ihrer Situation zu stellen. „Man muss sich eingestehen, dass man ein Problem hat und dann den Mut haben, etwas zu verändern“, sagt Sibylle Schwenk.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein, Am Alten Kirchhof 2, ist unter Tel. 25 27 10 10 zu erreichen. Die Sprechzeiten sind montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Dienstags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr findet eine offene Sprechstunde statt. Um Wartezeiten zu vermeiden, wird um eine Anmeldung gebeten.

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