zur Navigation springen

Jugendarbeit : Max und Moritz machen Kinder stark

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Theaterprojekt mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationen soll die Integration fördern. Erste Aufführung ist am 10. Januar

Neumünster | Integration ist keine leichte Aufgabe, allerdings kann sie auch federleicht und unbeschwert daherkommen und außerdem ungeheuer viel Spaß machen. Diese Erfahrung machen derzeit 15 Kinder zwischen 9 und 17 Jahren, die sich zweimal in der Woche zu einem außergewöhnlichen Theaterprojekt treffen.

Es sei „einfach toll, wie die Jugendlichen auftauen, spielerisch sprachliche Barrieren überwinden und ihre eigenen Stärken entdecken“, begeistert sich Alla Korn. Die Pädagogin, die sich als treibende Kraft im deutsch-russischen Veein „Gemeinsam unterwegs“ seit vielen Jahren um die Integration von Migrantenkindern bemüht, hatte die Idee für das interkulturelle Jugendtheater. „Wir wollten einfach mal was auf die Beine stellen, was über einen längeren Zeitraum Bestand hat und nicht nach zwei oder drei Wochen wieder ausläuft“, sagt sie. In der Arbeiterwohlfahrt (Awo), dem Kulturbüro der Stadt, dem Brokstedter Theaterensemble und Iuvo, einem Sozialträger, der sich um junge Flüchtlinge kümmert, die ohne erwachsene Begleitung in Neumünster stranden, fand sie starke Partner, die das Konzept aufgriffen und weiterentwickelten. Offenbar mit Erfolg: Das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ fördert das Projekt mit 17 000 Euro.

Ein Jahr haben die Jugendlichen und ihre überwiegend ehrenamtlichen Helfer Zeit und Muße, sich und ihre Partner vor und hinter der Bühne besser kennenzulernen. Mit dabei sind Kinder aus Aussiedlerfamilien ebenso wie Flüchtlingskinder oder Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, die sonst kaum den Weg in eine Theater-AG finden würden. Gemeinsam mit Regisseurin Alla Korn haben sie sich die Geschichten von Max und Moritz als Stoff für ihr Bühnenwerk ausgesucht, das grausame Ende der beiden Hauptdarsteller allerdings etwas abgewandelt. In der Version der Kinder, die sich eng an das Theaterstück von Klaus Tröbs „Max und Moritz in der Hölle“ anlehnt, haben auch die „bösen Buben“ einen guten Kern und kommen deshalb besser weg als bei Altmeister Wilhelm Busch. Zuschauer werden ihren Busch dennoch gut wiedererkennen. Die Kinder zitieren natürlich die weltberühmten Verse über Max und Moritz und in Projektionen erscheinen die zugehörigen Zeichnungen des Meisters auf der Bühnenwand. Das ganze wird allerdings verpackt in ein munteres Fantasy-Musical mit viel Musik.

Genug Aufgaben also, um alle Talente der Kinder auf und hinter der Bühne abzufordern. Das ist Alla Korn besonders wichtig: „Wer sich noch nicht längere Textpassagen merken kann, kann vielleicht gut musizieren, tanzen oder singen – oder er entdeckt sein künstlerisches Talent beim Malen des Bühnenbildes.“ Das Ziel des gemeinsamen Spiels wird dabei fast unausweichlich schon bei den Proben erreicht: Die Kinder merken, dass es unterschiedliche Talente und Temperament gibt, was dem einen nicht liegt, kann der andere vielleicht besonders gut und umgekehrt. Alle werden gebraucht und jeder merkt, dass alle gebraucht werden, damit es wirklich gut wird. Fast unmerklich fallen Hemmungen, sich in der vielleicht noch fremden Sprache auszudrücken. Die Kinder probieren sich aus, überwinden Ängste und gewinnen so Vertrauen in die eigene Persönlichkeit, aber auch Respekt vor dem anderen.

Wie gut sich die Kinder aufeinander eingespielt haben, können Zuschauer erstmals am 10. Januar im Bildungszenrum an der Kieler Straße 90 erfahren. Zum Orthodoxen Weihnachtsfest spielen sie dort ab 15 Uhr Ausschnitte aus ihrem Fantasy-Musical. Fertig soll das Stück voraussichtlich im Juni – zum 150-jährigen Jubiläum der ersten „Max und Moritz“- Ausgabe – im Theater in der Stadthalle aufgeführt werden.

Kinder- und Jugendliche sowie Theaterpädagogen, die sich von dem Konzept angesprochen fühlen, können noch dazustoßen. Kontakt über den Awo-Kreisverband Tel . 9 17 70.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 26.Nov.2014 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen