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Kleinkunst : Matthias Reuter erklärte die Schwarmintelligenz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Die Menschen sind ’ne Krisenherde“ meint der Kabarettist aus Oberhausen und überzeugte die Neumünsteraner

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2015 | 17:00 Uhr

Neumünster | Zu einer Art therapeutischen Gruppensitzung, bei der es um den Menschen als „soziales Tier“ ging, lud am Freitagabend der Oberhausener Kabarettist Matthias Reuter ein. Über 100 Gäste kamen ins Statt-Theater am Haart. Das Thema des Abends lautete „Die Menschen sind ’ne Krisenherde“.

Reuter ist fest überzeugt, dass das soziale Verhalten der modernen Menschen Schwarmintelligenz ist, „siehe Oktoberfest in Bayern“. Das müsse aber seine Heimatstadt noch steigern: „Gibt es in München nur ein Oktoberfest, so hat Oberhausen derer gleich acht.“ Soziale Netzwerke seien ebenso ein typisches Schwarmverhalten, stellte der studierte Germanist fest und riet seinen Gästen: „Wenn du eine Frage hast, die dich nicht mehr schlafen lässt, sorge dafür, dass sie nicht im Internet diskutiert wird.”

Der Ruhrpott-Kabarettist glänzte mit skurrilen Liedern wie beispielsweise „Revolution in der Pflege-WG“ als Boogie oder erklärte die Urform der parlamentarischen Demokratie, in der man die Verantwortung an den weitergibt, der nicht anwesend ist. Dabei hatten seine Texte ab und an Poetry-Slam-Charakter: Sein Rat an die Fußballfans im Stadion: „Such dir einen Feind, der zu dir passt“ und seine Schlussfolgerung für danach: „Auch wenn ein Bruch nur schwer verheilt, es ist geil wenn man ein Hobby teilt.“ Die Story über Pädagogik im Bus mit einem trotzig schreienden Kind und einem erklärenden Afrikaner war einfach Spitze.

Seine Dialoge forderten von den Zuhörern totale Aufmerksamkeit, sowohl wegen der Dichte der Pointen als auch wegen seiner Sprachgeschwindigkeit. Nicht fehlen durfte im Programm auch die Politsatire wie „Merkel schießt den Bushito tot“ oder „der Wert des Abiturs in Nordrhein-Westfalen“, den er mit Bischoff Tebartz van Elst und seiner Landesherrin Hannelore Kraft belegte. „Ich selbst habe meine gesamten Kenntnisse in Biologie von der Sendung mit der Maus“, gestand Reuter.

Seine gekonnte Wort- und Musikakrobatik hatte immer wieder total überraschende Momente: „Was machen die Menschen gern gemeinsam“, fragte er und antwortete: „Hupen!“

Reuter brachte das auf die Bühne, was seine Mitmenschen so treiben, und versuchte sie trotzdem zu mögen. Dazu spielte er Klavier, sang mit eigener musikalischer Note, glänzte sprachschöpferisch und das alles sehr locker. Ein Vergnügen für die Gäste, die am Ende mit starkem Beifall dankten.



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