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Nach Todesfall in Berlin : Masern: Fast alle Babys in Neumünster sind geimpft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsteraner Kinder sind gut durchgeimpft. Den geringsten Schutz vor der gefährlichen Krankheit haben junge Erwachsene. Sie gefährden ganz junge Säuglinge. Zurzeit gibt es keine Erkrankungen in der Stadt.

Neumünster | Die Eltern in Neumünster nehmen die Masern-Gefahr sehr ernst – und das seit Jahren. Dr. Johannes Kandzora, niedergelassener Kinderarzt, sowie Helmut Feith, Abteilungsleiter im Bereich Infektionsschutz am Gesundheitsamt, stellen dem Gros der hiesigen Familien in Sachen Impfbereitschaft ein gutes Zeugnis aus. Die Masernwelle in Berlin verunsichert die Eltern dennoch. Viele haben Aufklärungsbedarf, und die größten Impflücken haben die jungen Erwachsenen selbst.

Laut Kandzora erhalten in der Stadt derzeit 94 bis 95 Prozent der Babys mit zehn, elf Monaten die erste Masernimpfung. „Damit liegen wir in einem guten Mittelfeld im Landesvergleich“, sagt der Kinderarzt. Für die zweite Impfung drei Monate später liegen die Zahlen etwas niedriger. Den guten Schnitt bestätigte auch das Gesundheitsamt. „Unsere Schulärztin ist zufrieden mit der relativ hohen Durchimpfung“, sagt Feith. 

Den guten Schnitt bei den Jüngsten führen die Experten unter anderem auf die Informationspolitik der fünf hiesigen Kinderärzte zurück. „Wir klären alle in die gleich Richtung auf“, so Kandzora. Dabei haben die Mediziner auch stets die jungen Eltern im Blick.

Denn laut Gesundheitsamt fehlt der Impfschutz auch in Neumünster am häufigsten bei den Jahrgängen ab 1970, die also jetzt 45 Jahre oder jünger sind. Sobald Eltern mit ihrem Nachwuchs in die Kinderarztpraxen kommen, klären die Ärzte über den Impfschutz auf. Da das Immunsystem erst nach zehn Monaten eine Masernimpfung zulässt, sind die ersten Monate für die Babys besonders gefährlich. „Ungeimpfte sind deshalb ein großes Risiko“, erklärt Kandzora. Deshalb schauen die Kinderärzte gern in die Impfpässe der Eltern und empfehlen gegebenenfalls den Pieks. Gerade im Zuge der Hiobsbotschaften aus Berlin gehen aber auch viele Erwachsene zurzeit auf die niedergelassenen Ärzte zu und fragen nach dem Impfstatus, weiß Kandzora auch von Kollegen.

Derzeit gibt es laut Gesundheitsamt und Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster keinen Masernfall. Die letzten Einzelfälle wurden im Sommer 2014 verzeichnet. Sehr genau schaut das Amt als Aufsichtsbehörde nach Masern bei den Untersuchungen der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart. Hier kommen schließlich Menschen aus aller Welt an. Aber auch dort gab es in jüngster Zeit keine Auffälligkeiten.

Sollte dennoch jemand in der Stadt erkranken, wird auf die meldepflichtige Krankheit umfangreich reagiert. So wie im Januar 2010. Damals bekam in der Kita Mäusenest ein Kind Masern. Solange der Impfstatus einiger Erzieherinnen und Kinder unklar war, blieb die Kita geschlossen.

 

Masern: Die Gefahren

Masernviren werden per Tröpfcheninfektion übertragen. Mögliche Komplikationen:

1. Lungenentzündung: Sie gilt als noch gut therapierbar.

2. Hirnhautentzündung: Lässt bei einem Drittel der erkrankten Kinder Schäden zurück.

3. Hirnentzündung namens SSPE (Subakute sklerosoerende Pan-Enzephalitis): Ruft schwerste Schäden hervor und endet tödlich.

Dem gegenüber stehen als häufigste Nebenwirkungen der Impfung Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, Hautrötungen und Druckschmerz. Die Impfung gilt als gut verträglich.

 

 

 

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erstellt am 26.Feb.2015 | 07:00 Uhr

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