Gross Kummerfeld : Man muss den Ton spüren, und das geht über Skype nicht

Singen per Live-Schalte: Gesangsprofessor Thomas Mohr (rechts) unterrichtet seinen Studenten Jovan Koscica vom Arbeitsplatz in Kleinkummerfeld aus.
Singen per Live-Schalte: Gesangsprofessor Thomas Mohr (rechts) unterrichtet seinen Studenten Jovan Koscica vom Arbeitsplatz in Kleinkummerfeld aus.

Professor Thomas Mohr unterrichtet seine Gesangsstudenten über Skype. Das dient in erster Linie der Motivation.

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06. Mai 2020, 17:23 Uhr

Thomas Mohr fährt den Computer hoch, öffnet ein Programm, und kurze Zeit später sieht er Jovan Koscica. „Hallo, Jovan, kannst du mich gut hören?“ Thomas Mohr prüft die Qualität der Skype-Verbindung, denn die ist wichtig für den digitalen Fernunterricht per Bildschirm und Lautsprecher. Thomas Mohr ist Professor für Gesang an der Hochschule für Künste in Bremen, kann aber wegen der Corona-Beschränkungen seine Studenten nicht an der Uni unterrichten. Daher übt er mit Jovan Koscica und seinen anderen fünf Studenten mehrmals wöchentlich von Kleinkummerfeld aus übers Internet.

Diese Form des Unterrichtens dient auch der Motivation und dem sozialen Kontakt, denn die Effektivität ist auf diesem Wege geringer. Die Kontrolle des Gesangs ist viel komplizierter. Ob es sich um einen gesunden und physisch einwandfreien Ton handelt, kann man am besten hören und spüren, wenn man sich mit dem Sänger im selben Raum befindet. So hängt auch viel von der Hardware ab – wie etwa der Mikrofone – und ich muss herausfinden, ob störende Geräusche vom Stimmband oder dem Computer herrühren. Thomas Mohr
 

Die Verbindung zu Jovan Koscica ist gut, der 28-jährige Sänger in der Bass-Stimmlage sitzt in seiner Wohnung in Bremen und richtet Bildschirm und Lautstärke aus. „Es ist schwierig, so zu lernen. Thomas begleitet mich auf einem elektrischen Piano, aber es gibt immer eine gewisse Verzögerung in der Übertragung. Auch das Lernen klappt in der Hochschule besser, weil es dort keine Ablenkung gibt. Zuhause habe ich kein Klavier, deswegen begleite ich mich selbst über ein Computerprogramm“, berichtet der Serbe, der sich im Abschlussjahr seines Master-Studiengangs befindet. Mohr erklärt: „Das digitale Lernen klappt am besten für Fortgeschrittene, die schon Sicherheit haben. Es ist aber nicht für jeden etwas. Ich habe eine Studentin, sie ist Koreanerin und zu Hause. Sie fühlt sich bei dieser Unterrichtsform nicht wohl.“

Opern werden nicht aufgeführt

Aber nicht nur dem Unterricht machen die Beschränkungen einen Strich durch die Rechnung, auch als Künstler bekommt Thomas Mohr die Auswirkungen zu spüren. Der Tenor sollte in zahlreichen Opern singen, die nicht aufgeführt werden. Er hatte sich auf die Titelrolle im „Sturz des Antichrist“ vorbereitet, sollte im „Parzival“ singen, im „Rheingold“, der „Götterdämmerung“, in Häusern in Leipzig und Bonn – viele wurden ersatzlos abgesagt.

50 Prozent der Jahreseinnahmen fallen weg

„Es sind etwa 50 Prozent meiner Jahreseinnahmen, die wegfallen. Allerdings verschieben sich einige Termine auf das kommende Jahr. Das ist erfreulich, denn 2021 war bisher nicht so stark besetzt, was sich nun ausgleicht“, berichtet Mohr.

Mehr Engagement in der Landwirtschaft

Der Kleinkummerfelder konnte dafür im Frühjahr die große Bühne gegen Traktoren eintauschen und sich eingehender seiner Freizeitbeschäftigung widmen, wie er erzählt: „Aufgrund der Krise konnte ich mich vermehrt um die Landwirtschaft kümmern. Ich bin kein ausgebildeter Landwirt, habe aber jetzt einige Zeit auf dem Trecker verbracht und Mais gesät. Einige Aufgaben habe ich aber auch vergeben.“

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