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Holsteinischer Courier

21. August 2017 | 12:44 Uhr

Kabarett : Malmsheimer sezierte köstlich tief

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bei dem Kabarettisten lag die Sprache förmlich auf dem OP-Tisch. Es war der Abschluss der Reihe „Kultur mit Biss“.

Neumünster | Zum Abschluss des kabarettistischen Programms „Kultur mit Biss“ vom Neumünsteraner Kulturbüro stand am Freitagabend noch einmal ein Schwergewicht der deutschen Kabarettszene auf der Bühne des Theaters in der Stadthalle, nämlich der Sprachakrobat Jochen Malmsheimer. Er hat seit 1997 mehr als zehn Auszeichnungen bekommen, und nun eroberte er Neumünster.

Malmsheimer zündete ein Feuerwerk von Pointen, das die gut 400 Gäste von einer Lachsalve in die nächste stürzte. Dabei musste er sogar sein Programm unterbrechen, weil einige Zuschauer vor Lachanfällen gar nicht mehr zuhören konnten. Das war auch gar nicht so leicht, denn in jedem Satz des Mannes aus dem Ruhrpott versteckten sich viele weitere Gags, die manchmal in den Lachattacken fast untergingen. Einfach atemberaubend!

So kam Malmsheimer in wenigen Minuten vom Kindergarten seines Sohnes, der mit drei Jahren schon Englisch lernen müsse, auf seine eigenen Englisch-Kenntnisse, die „optimistisch umschrieben eher rudimentär sind“. Er könne aber einem Wales-Vortrag „locker folgen, wenn nicht gesprochen wird“. Und schon war der Kabarettist bei seinen Erlebnissen mit Flugmanövern, die bei ihm „zu einer rektalen Ausgelassenheit“ führten. Die anschließende Schilderung auf der Flugzeugtoilette (einfach köstlich) ging dann nahtlos in den jährlichen Gesundheits-Check der Oma über. Da war hohe Konzentration bei den Zuhörern gefragt, denn hier lag die Sprache auf dem OP-Tisch.

Malsheimer, der oft als politischer Kabarettist wahrgenommen wird, wandte sich in seinem Programm „Ich bin kein Tag für eine Nacht oder: Ein Abend in Holz“ ganz intensiv der Sprache zu. Er gestand zwar, dass ihm der Name des Programms auch nichts sage, aber die Themen, die er auswählte, hatten es in sich: So ging es um die Sprache in der Stammkneipe mit den Tresenspezis. Ganz schön mutig war, als der Vollbartträger über einen Vollbärtigen sprach, der sich „das Bier in sein Gestrüpp gießt“. Dann waren die dran, die sich beim Kochen filmen lassen. Das sei nur noch zu überbieten von Kochshows im Radio. Seine Selbsthilfeparodie zu „Kochen mit Jochen“ war einfach super. Erstaunlich, was man über das Kochen einer Kartoffel so alles erzählen kann.

Total aus dem Häuschen waren die Gäste, als Malmsheimer nach der Pause eine Weltraumreportage über die innere Befehlstruktur eines Jungen in der Disko bei Annäherung eines Mädchens machte – vom Gehirn bis zum Becken. Die Leitung im Großhirnlappen war zwar total überfordert, ein Gespräch zustande zu bringen. Aber trotzdem kamen sie gemeinsam ins Bett. Am Schluss konnte Malmsheimer überzeugen, dass der Mensch in „einer Sackgasse der Evolution ist, seit es Sport gibt“. Als Beispiele dienten ihm unter anderem Aussagen von Sportreportern sowie generell die Sportart Curling und „die alten Männer, bei denen eigentlich nichts mehr geht, die sich aber Funktionäre nennen“. Zum Abschied wünschte er seinen Gästen: „Auf dass der Wind in Eurem Rücken nie der eigene sein möge.“

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erstellt am 11.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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