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Vermietungen : Makler begrüßen das Bestellerprinzip

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 1. Juni gilt bei Vermietungen: Wer den Makler ordert, bezahlt ihn auch. Bei Immobilienverkäufen tragen Käufer und Verkäufer die Courtage

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erstellt am 19.Jun.2015 | 07:00 Uhr

Neumünster | Seit Anfang Juni gilt bei Wohnungsvermietungen das Bestellerprinzip: Wer den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Die Courtage kann nicht einfach, wie früher üblich, vom Vermieter auf den Mieter abgewälzt werden. Seriöse Makler und der Eigentümerverein Haus + Grund begrüßen die Novelle.

„Wir begrüßen das Gesetz, weil mit ihm auch das schlechte Bild des Eigentümers geradegerückt wird“, sagt Neumünsters Haus+Grund-Vorsitzender Matthias Schuster. In Neumünster habe es nie Missstände wie in Ballungszentren gegeben. „Da wurde die Wohnungsnot schamlos ausgenutzt“, so Schuster. Der Markt in Neumünster ticke anders. „Hier gibt es genug Wohnungen, sodass eher der Vermieter den Makler bemühen wird, und den muss er dann auch bezahlen“, sagt Schuster.

Maklerin Gabriele Momsen-Seligmann nennt das auch „marktgerecht für Neumünster. Es gibt hier viel Leerstand.“ Sie habe daher eigentlich schon immer das Bestellerprinzip hochgehalten und eine Vermittlercourtage vom Vermieter verlangt, vom Mieter nur eine Vertragsgebühr. „Der Auftraggeber soll bezahlen“, findet auch Immobilienmakler Jens-Uwe Bahr. Früher musste der Mieter fünf Nettokaltmieten parat haben – zwei für den Makler, zwei für die Mietsicherheit und eine als erste Monatsmiete. Das sei viel Geld, so Bahr.

Für die Vermittlung von Wohnungen aus dem eigenen Bestand waren Gebühren nach dem Wohnungsvermittlungsgesetz schon immer unzulässig. „Das wurde früher umgangen, ist heute aber nicht mehr möglich, weil der Mieter nicht zahlen muss“, so Bahr. Er hat festgestellt: „Die Vermieter sind zurückhaltender geworden.“ In boomenden Märkten wie Hamburg werde es eine spürbare Bereinigung geben. Makler, die nur vom Vermietungsgeschäft lebten, würden vom Markt verschwinden.

Beim Verkauf einer Immobilie hat sich durch das neue Gesetz nichts geändert. Darauf macht Makler Paul Peter aufmerksam: „Beim Verkauf ist die Maklercourtage in der Regel von Käufer und Verkäufer zu tragen.“ Nach einer Vorgabe des Makler-Verbands IVD zahlt der Käufer 3 Prozent, der Verkäufer 2 Prozent (jeweils plus Mehrwertsteuer). „Und daran halten wir uns auch“, sagt Makler Bahr.

Beim Deutschen Mieterbund sieht man in Sachen Makler-Bestellprinzip noch keine Auswirkungen. „Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen“, betont Hauke Petersen, der Vorsitzende des Mietervereins Mittelholstein. Zur ebenfalls seit dem 1. Juni geltenden Mietpreisbremse hat Petersen dagegen eine klare Meinung: „Traurig – da macht die Politik Gesetze, die keine Auswirkung haben. Die Mietpreisbremse läuft ins Leere. Sylt, Wyk auf Föhr und ein paar Miniaturgemeinden im Hamburger Speckgürtel – es gibt kaum Gemeinden, die in Frage kommen.“

Windige Anwälte wittern in der Mietrechtsnovelle dagegen schon ein lukratives Geschäftsmodell. So habe eine Hamburger Kanzlei schon mehr als 100 Abmahnungen an Makler verschickt, wenn die noch nach alter Regel anbieten, weiß Immobilienmakler Jens-Uwe Bahr zu berichten. 

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