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Ärger mit der Hausverwaltung : Mängel bereiten den Mietern Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bewohner der Blocks an der Dithmarscher Straße sind genervt von ihrer Hausverwaltung, die angeblich nicht reagiert. Sie sehen Gefahren.

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | Viele Mieter in dem Wohnkomplex an der Ecke Dithmarscher Straße/Boostedter Straße sind in Sorge. Sie beschweren sich über mehrere Mängel, die ihrer Meinung nach trotz diverser Bitten seit Wochen, Monaten oder gar Jahren nicht behoben wurden. Während einige dieser Probleme den Anwohnern einfach nur auf die Nerven gehen, sehen sie bei anderen durchaus ernste Gefahren. „Das ist hier teilweise lebensgefährlich“, sagt ein Familienvater, der ebenso wie mehrere Nachbarn seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Alle Beschwerdeführer sind dem Courier namentlich bekannt.

Schuld an der Misere ist nach Auffassung vieler Mieter die Hausverwaltung Altro Mondo aus Ronnenberg bei Hannover. „Auf Beschwerdeanrufe oder Schreiben reagiert die Firma nicht oder erst nach sehr langer Zeit. Die sehen erstmal einfach tatenlos zu“, erzählen mehrere Anwohner (der Courier berichtete). Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück beziehungsweise verspricht Abhilfe.

Im „Haus Neumünster“ im ersten Eingang (1a) haben Mieter mit Schrecken festgestellt, dass die Feuerlöscher und die Steigleitung das letzte Mal im Jahr 2013 gewartet wurden. „Das macht uns hier schon Angst. Was ist, wenn es mal brennt und das alles nicht einwandfrei funktioniert?“, sagt ein Mann.

Auf Courier-Nachfrage bei Altro Mondo meldete sich für das Unternehmen ein Rechtsanwalt und erbat eine angemessene Frist für eine Stellungnahme. Zu den Befürchtungen der Anwohner teilte er nach sieben Tagen mit, dass die Wartung der Feuerlöscher und Steigleitung unmittelbar in die Wege geleitet worden sei und in kürzester Zeit erledigt werde. Seitdem ist erneut eine Woche vergangen. Doch bisher ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Ein weiteres Problem hingegen wurde mittlerweile aus der Welt geschafft: Nachdem die Mieter aus dem „Haus Neumünster“ dem Courier davon berichtet hatten, dass sie über rund drei Wochen im Dunkeln nur noch mit einer Taschenlampe nach Hause kommen konnten, weil Lampen im Außenbereich sowie im Windfang des Eingangs 1b ausgefallen seien, wurde dieser Schaden vor einigen Tagen behoben. Auch die über Wochen kaputten Klingeln und die Gegensprechanlage im Eingang 1b funktionierten einige Tage nach der Courier-Anfrage wieder.

Der Weg durch den rückwärtigen Park parallel zum Sachsenring hingegen sei abends über viele Meter immer noch stockfinster, bemängeln Anwohner. Auf dieses Problem angesprochen, lässt Altro Mondo über seinen Anwalt mitteilen, dass sämtliche Lampen bereits überprüft worden seien oder überprüft würden und nicht funktionierende Lampen ersetzt würden.

Heinz Grühn (83) lebt seit rund 40 Jahren in der Wohnanlage. Schon mehrmals hat er sich mit seinen Sorgen an Altro Mondo gewandt, sagt er. „Fehlendes Licht ist nicht lebensbedrohlich“, habe es von Seiten der Hausverwaltung zum Beispiel einmal nur geheißen. Einen anderen Weg als den über die Hausverwaltung sieht der Rentner, der selbst 21 Jahre lang Hausmeister für den Wohnkomplex war, nicht. „Der letzte Hausmeister ist schon seit Wochen nicht mehr aufgetaucht oder erreichbar“, erzählen die Bewohner. Ein Nachfolger sei ihnen nicht bekannt. Der Rechtsanwalt lässt dazu mitteilen, ein neuer Dienstleister sei mit dem Hausmeisterservice beauftragt worden und werde am 15. Juni die Arbeit aufnehmen. Bis gestern hatten die beschwerdeführenden Mietern jedoch keine Informationen, erklären sie.

Eine junge Familie mit Kleinkind aus dem Eingang 1a kämpft mit undichten Fenstern. „Es zieht hier heftig, das Wohnzimmerfenster schließt nicht“, sagt die Frau. Sie und ihr Mann sind sauer: „Seit unserem Einzug im vergangenen Herbst bitten wir Altro Mondo um eine Reparatur, zumal die Fenster bei der Sanierung des Blocks vor wenigen Jahren erst eingebaut wurden. Aber es hat sich nie jemand zurückgemeldet“, bemängelt das Paar. Auch der Boiler im Badezimmer sei defekt – das Wasser werde nicht warm, hieß es. Zu diesem Vorwurf könne Altro Mondo keine Stellungnahme abgeben, so der Anwalt. Es heißt, dazu würden der Namen des Mieters sowie die Angabe der Wohnung benötigt.

Ein weiteres Ärgernis für viele Mieter ist das Gartengelände rund um den Wohnkomplex. Besonders der hintere Bereich wirke verwahrlost, sagen sie. Sitzbänke sind dort zerbrochen, Steintische umgeworfen. Die Gehwegplatten sind uneben. Die Sandkiste ist zugewuchert. Der Rasen ist knöchelhoch gewachsen. Nach Auskunft der Anwohner wird das Areal nur ein Mal im Jahr offiziell von einer Firma gestutzt.

Wenn Heinz Grühn nicht wäre, wäre die Gartenanlage noch unansehnlicher, da sind sich seine Nachbarn sicher. Der Rentner kümmert sich seit Jahren um die Beete und Rabatten, vor allem vor dem „Haus Neumünster“. Damit der Parkplatz nicht eines Tages unter Wasser steht, hat der Rentner auch immer ein Auge auf die Gullys und reinigt sie regelmäßig. Viele Mieter sind ihm dankbar für sein Engagement.

Laut Anwalt sollen die kaputten Bänke erneuert werden, Altro Mondo habe entsprechende Aufträge bereits erteilt. Außerdem sei man in der Außenanlage durchaus aktiv geworden, so seien vor Kurzem Sachbeschädigungen wie Graffiti behoben worden, heißt es. Der in Aussicht gestellte Hausmeister soll sich demnach insbesondere um die Außen- und Grünanlagen kümmern.

Die meisten Mieter beteuern: „Eigentlich fühlen wir uns hier wohl. Das Zusammenleben von Alt und Jung funktioniert gut.“ Doch die Mängel und der ständige Ärger mit Altro Mondo hätten schon manch netten Nachbarn auf Dauer vertrieben, erzählt ein Familienvater.

Altro Mondo lässt erklären, man sei bei gemeldeten Schäden bemüht, so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. Sollte dies nicht zur Zufriedenheit der Mieter geschehen sein, bitte die Hausverwaltung um Entschuldigung und danke für die Geduld der Mieter.

Den jahrzehntelangen Bewohner Heinz Grühn tröstet das wenig: „Ich habe die ganze Anlage 21 Jahre lang gepflegt. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie das alles verkommt. Also mache ich das halt weiter, so gut es geht“, sagt der 83-Jährige. Aber auch er hat sich mittlerweile – ebenso wie viele andere Mieter – einen Anwalt genommen.

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