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Probleme der Geschäftsleute : Lütjenstraße: Kunden bleiben aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Leerstände und eine geringer werdende Frequenz belasten die Geschäftsleute. Auch die Apotheke zieht an den Großflecken.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Vor gar nicht allzu langer Zeit war sie so etwas wie die kleine Prachtstraße von Neumünster, ein Juwel, doch nun droht ihr der Absturz: Die Geschäftsleute an der Lütjenstraße fordern von der Stadt mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung, denn sie fürchten nicht nur den Untergang des Neumünsteraner Kleinods, sondern zum Teil auch um ihre Existenz.

„Die Misere fing mit dem Weggang des Wochenmarktes und dem Umbau des Kleinfleckens an. Da blieben viele Kunden weg“, sagt Martina Fesser, Inhaberin von Allegra an der Mühlenbrücke. 19 Jahre betrieb sie ihre Boutique in der Mitte der Lütjenstraße, vor knapp sieben Jahren zog sie dann an die Mühlenbrücke. „Hier habe ich einen tollen Laden, doch die Kundenströme sind an manchen Tagen fast bei Null.“ Mit der Eröffnung der Holsten-Galerie sei das Geschäft weiter eingebrochen. Sie könne nicht sagen, wie lange sie diese Situation noch aushalte. „Das große Problem sind die Leerstände. Ich verstehe einfach nicht, warum die Stadt das Leerstands-Management nicht anpackt.“

Dem stimmt ihr Nachbar, Apotheker Lars Peter Wall, in vollem Umfang zu. Er zieht nun die Konsequenz und im Sommer mit seiner Mühlen-Apotheke in den ehemaligen Douglas-Laden am Großflecken. „Dort ist mehr los, und wir können die Verkaufsfläche verfünffachen“, sagt er. Was am alten Standort Lütjenstraße passiert, wisse er noch nicht. „Das Haus gehört mir. Vielleicht vermiete ich es, oder ich nutze es mit einer neuen Idee selbst.“

Ihren Umzug vom hinteren in den vorderen Teil der Lütjenstraße hat Inga Kühl, Inhaberin des Teeladens, bereits abgeschlossen. „Die Stadt behandelt uns stiefmütterlich“, stimmt sie den Aussagen der Kollegen zu. Es sei nötig, die Straße attraktiver zu machen. „Der Standort bietet sich für kleine Fachgeschäfte doch regelrecht an.“

Für Klaus Ruser könnten alte Pläne des Architekten Willem Hain genau diese Geschäfte anlocken. Der Chef von Photo Ruser möchte nämlich nicht nur das wellige Pflaster in einigen Bereichen der Straße beseitigt wissen, sondern bringt auch wieder eine Überdachung der Straße ins Spiel: „So schaffen wir eine wetterunabhängige Flaniermeile.“ Er hoffe, dass die Lütjenstraße nicht so ende wie die Holstenstraße, „wo der hintere Teil ja auch tot ist“.

Die Idee einer Überdachung hat auch für Gerd Grümmer, Chef des Einzelhandelsverbandes und des Edeka-Marktes an der Mühlenbrücke, gewissen Charme. Er verlangt von der Stadt mit Blick auf die geplanten Umbauten auf dem Großflecken „nicht in Backsteine, sondern in Inhalte“ zu investieren.

Ein „vernünftiges Konzept für die gesamte Innenstadt und grundsätzlich kostenlose Parkplätze“ fordert Mirko Jablonka, Geschäftsführer des Familienbetriebs Jablonka Wohnkonzepte am Kleinflecken. Wie alle anderen Geschäftsleute, mit denen der Courier sprach, findet er den Kleinflecken „rein optisch sehr ansprechend“, aber für die Ansiedlung von Läden oder gar die Belebung der Innenstadt einen Flop. „Wenn hier Laster Ware für das Museum oder die Stadthalle bringen, ist das eine Katastrophe und ein einziges Hupkonzert“, kritisiert er die Verkehrsführung.

Citymanager Michael Keller kann die Klagen der Geschäftsleute gut verstehen und sieht die Situation genauso: „Besonders im hinteren Bereich zum Kleinflecken wird es immer dramatischer.“ Das Quartier müsse dringend entwickelt werden und brauche Alleinstellungsmerkmale, sagt er.

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