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Streit um Industriegebiet Eichhof : Log4Real findet die Stadt Neumünster „unfair“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Firma Log4Real will das abrupte Ende der Verkaufsgespräche nicht hinnehmen und kritisiert den Oberbürgermeister.

von
erstellt am 08.Feb.2017 | 08:08 Uhr

Neumünster | Die Stadt Neumünster und ein Unternehmen streiten sich um den Grundstücksverkauf im neuen Industriegebiet an der Autobahnabfahrt Neumünster-Nord. Der abgewiesene Projektentwickler Log4Real will sich nicht damit abfinden, von der Stadtverwaltung wieder vor die Tür gesetzt zu werden. „Wir sehen das Projekt keinesfalls als gestorben an. Wir fühlen uns von der Stadt Neumünster unfair behandelt und prüfen gerade rechtliche Schritte“, sagte der Vorstandschef Christian Bischoff zum Courier.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hatte am Montagabend mitgeteilt, dass er die Verkaufsgespräche mit Log4Real soeben beendet habe. Der Grund: Das Unternehmen habe die Bedingungen der Stadt für den Verkauf des 18,5 Hektar großen Grundstücks im neuen Industriegebiet Eichhof an der Autobahn „nicht in Gänze eingehalten“.

Darüber war Christian Bischoff am Dienstag noch sehr verärgert. „Wir hatten vor einer Woche ein intensives Gespräch mit der Stadtverwaltung, haben alles auf den Tisch gelegt und den Bauantrag eingereicht. Oberbürgermeister Tauras hat unsere Unterlagen ausdrücklich gelobt. Und gestern bekamen wir aus heiterem Himmel die Absage von seinem Büroleiter. So geht man doch nicht mit einem Unternehmen um, das zig Millionen in einer Stadt investieren will“, schimpfte er.

Über die Bedingungen, die Log4Real laut OB „nicht in Gänze eingehalten“ habe, sage Bischoff: „Wir waren aufgefordert, zwei Absichtserklärungen (Letter of intent) von zwei Mietern für mindestens 70.000 Quadratmeter Mietfläche nachzuweisen. Wir hatten nur eine schriftliche Erklärung, weil viele Unternehmen sich scheuen, so etwas schriftlich zu machen. Aber wir haben dem OB mehrere weitere Mietinteressenten genannt – wohlgemerkt vertraulich. Das ist in der Branche absolut üblich und wird überall akzeptiert. Aber die Stadt Neumünster hat die Firmen alle angerufen und damit das Vertrauen zerstört.“ Auch die Finanzierung des Projekts sei gesichert. Olaf Tauras will sich am Mittwoch zu dem Thema erneut äußern.

So sieht die Planung für das Logistikcenter der Firma Log4Real im Eichhof aus.
So sieht die Planung für das Logistikcenter der Firma Log4Real im Eichhof aus. Foto: Log4Real
 

Log4Real ist ein Projektentwickler aus Düsseldorf, der nicht selber produziert, sondern moderne Komplexe für Logistik und Produktion baut und vermietet. Die Firma hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren 71 Logistikparks mit 1,6 Millionen Quadratmeter Lagerfläche gebaut. In Neumünster ist eine Investition von 55 Millionen Euro geplant; die Mieter würden zunächst 450 Arbeitsplätze schaffen, so der Plan.

Die Grafik zeigt einen Logistikkomplex von Log4Real.
Die Grafik zeigt einen Logistikkomplex von Log4Real. Foto: Log4Real
 

Die Brüder Arne und Dr. Hartmut Joswig vom Autohaus Lensch & Bleck haben ebenfalls immer noch Interesse an einer Ansiedlung im Eichhof. Sie würden dort ein neues Autozentrum mit 200 Arbeitsplätzen errichten, waren bei der Abstimmung im Rat aber nicht zum Zuge gekommen. „Wir haben uns außerdem um die geplante Tank-und-Rast-Anlage beworben und einen sehr schönen Entwurf eingereicht“, sagte Arne Joswig zum Courier. Wer dort zum Zuge kommt, soll die Ratsversammlung am kommenden Dienstag entscheiden.

Kommentar: Das ist kein Meisterstück der Stadtentwicklung

Das ist doch alles schon wieder sehr, sehr merkwürdig. Im November 2016 beschließt die Ratsversammlung den Verkauf des Grundstücks an Log4Real. Weil in der eilig gestrickten Ratsvorlage aber gar nicht steht, wie das Grundstück geschnitten ist (was niemandem aufgefallen ist), muss der Beschluss im Dezember wiederholt werden – nun aber mit  zusätzlichen Auflagen für den Projektentwickler. Und jetzt, fünf Wochen später, wird Log4Real plötzlich an die Luft gesetzt, und die Fraktionsvorsitzenden applaudieren dem OB.

Das kann nicht verstehen, wer die Hintergründe nicht kennt, aber in die Kategorie „Meisterstücke der Stadtentwicklung“ wird dieser Deal ebenso wenig eingehen wie der gescheiterte Bildungscampus an der Memellandstraße. Nun kommt es darauf an, den Schaden zu begrenzen und endlich die richtigen Investoren für den Eichhof zu finden.

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