Umschlag-Terminal : Lkw sollen über die Autobahn fahren

Das Gelände der NEG mit dem Lokschuppen im Hintergrund. Das Gleis rechts soll für das Terminal zur Brückenstraße hin verlängert werden.
Das Gelände der NEG mit dem Lokschuppen im Hintergrund. Das Gleis rechts soll für das Terminal zur Brückenstraße hin verlängert werden.

Stadtplanung und Norddeutsche Eisenbahngesellschaft stellten die Pläne für ein Umschlag-Terminal am Güterbahnhof vor.

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23. März 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | Die drei Stadtteilbeiräte Gartenstadt, Tungendorf und Stadtmitte haben am Dienstag auf einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus die Planung für den Güterbahnhof grundsätzlich begrüßt. Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG) möchte dort ihre Anlage zu einem Terminal für kombinierten Verkehr (Schiene/Straße) ausbauen und ihn auch nachts nutzen. Allerdings gibt es auch Bedenken: Befürchtet wird mehr Lärm durch den Ladebetrieb und den Lkw-Verkehr.

NEG-Chef Ingo Dewald versuchte mit Ute Spieler und Bernd Heilmann von der Stadtplanung, diese Bedenken auszuräumen. So sei nur eine begrenzte kleine Fläche für den Nachtbetrieb zwischen 22 und 6 Uhr vorgesehen. Die Entladefahrzeuge seien geräuschgemindert und führen ohne Rückfahrhupe. Der Betrieb sei auf maximal zehn Trailer je Nachtstunde begrenzt; Container und Stückgut würden nachts nicht umgeschlagen. Eine 4 Meter hohe und 320 Meter lange Lärmschutzwand soll die Kleingartenanlage und die Gartenstadt gen Westen abschirmen. Nach Norden hin ist eine 80 Meter lange Wand von 5 Metern Höhe geplant.

„Wir haben uns stark mit dem Landesumweltamt auseinandergesetzt“, sagte Dewald. Der Spediteur Henning Voigt und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras hätten sich sehr für das Terminal eingesetzt. Zur Planung gehört auch der Bau eines Gleisanschlusses für die Drehscheibe des historischen Lokschuppens. „Wenn die Stadt den Lokschuppen nicht unter Denkmalschutz gestellt hätte, wäre er möglicherweise von der Bahn abgerissen worden“, sagte Dewald und nannte es „einzigartig, dass eine 150 Jahre alte Bahnanlage erst von der DB stillgelegt und nun erneut für den Bahnbetrieb gewidmet werden soll“. Das Vorhaben der NEG beziehungsweise der Firma Intermodal, die das Terminal betreiben und hier bis zu 30 Arbeitsplätze schaffen will, zwingt zu einer Änderung der bisherigen Sanierungspläne der Stadt für eine „Messeachse“.

Da das Terminalgleis aus betriebstechnischen Gründen zur Brückenstraße hin verlängert wird, muss die geplante Verbindung von der Brückenstraße zur Max-Eyth-Straße hin einen anderen Verlauf nehmen. Diese Straße ist aber weiter möglich und soll den Terminalverkehr quasi hinten herum um das Messegelände der Holstenhallen zum Autobahnzubringer leiten. Der Schwerlastverkehr soll nicht über den Ring und die Max-Johannsen-Brücke zum Industriegebiet Süd fahren, wie Tungendorfs Stadtteilvorsteher Jürgen Böckenhauer befürchtet. Der Verkehr soll über die Autobahn zur Abfahrt Neumünster-Süd und zur B 205 (Südumgehung) geleitet werden.

Ob das funktioniert? Da äußerte nicht nur Böckenhauer Zweifel. Steffen Druschke, Beiratsmitglied der Gartenstadt, wunderte sich, dass man zur Kleingartenanlage ein „Riesen-Geld für eine Lärmschutzwand ausgibt und die bewohnten Stellen der Gartenstadt und von Tungendorf brach liegen lässt“. Hier widersprach Dewald. Der Wall sei vor allem für den Lärmschutz tagsüber wichtig. Auch der Wall der Max-Johannsen-Brücke schirme vor Lärm ab, sagte Heilmann. Nach Osten hin, also Richtung Tungendorf, ist dagegen kein Schallschutz vorgesehen. Da komme rechnerisch kein Lärm vom KV-Terminal an, sagte Dewald.

Kommentar: Neumünster wird wieder Eisenbahnstadt

Mit dem Kombi-Terminal  zum Umschlag von Schiene auf Straße scheint nun ein lang gehegtes  Projekt endlich Realität zu werden. Neumünster als zentraler Logistikstandort kann davon nur profitieren. Kein Wunder, dass die Logistikbranche dahinter steht. Auch vielen Neumünsteranern dürfte das Herz höher schlagen. Wir sind nun mal eine alte Eisenbahnerstadt. Ein schöner Nebeneffekt ist der Wiederanschluss des historischen Lokschuppens ans Gleisnetz. Den hatte die Deutsche Bahn geschichtsvergessen einfach gekappt und den Schuppen verfallen lassen.  Aber in Sachen Lärmschutz Richtung Tungendorf ist in erster Linie die Deutsche Bahn jetzt endlich mal am Zug. (ro)

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