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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 04:05 Uhr

Licht und Schatten des Handels im Internet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ich erkundige mich jetzt genau über die Waren und deren Herkunft

von
erstellt am 21.Feb.2014 | 19:17 Uhr

Einkaufen müssen, ist für mich ein notwendiges Übel. Shoppingtouren kann ich nichts abgewinnen. Wenn ich etwas zu besorgen habe, muss es schnell gehen. Ein bis zwei Stunden in einem Konfektionshaus mit Anprobieren zu verbringen, um beispielsweise eine passende Jeans-Hose zu finden, die am Ende doch noch geändert werden muss, ist mir ein Gräuel.

„Hilfsbereiten“ Verkäuferinnen, die mich mit einem raschen Blick von oben nach unten als leicht beeinflussbaren Kunden einschätzen und mir dann nach dem Mund reden, gehe ich aus dem Weg. Kein Wunder also, dass ich mich von den neuen Einkaufsmöglichkeiten im Internet sofort angesprochen fühlte. Nicht lange und ich wurde zu einem richtigen Fan vom Online-Shopping.

Bei mehreren Versandhäusern sowie beim Online-Bezahlsystem Pay-Pal unterhalte ich inzwischen Konten, und bei Ebay stehe ich kurz vor der Verleihung des türkisfarbenen Sterns für 100 positive Bewertungen als Käufer.

Es ist ja auch bestechend, wenn ich auf der gut aufgemachten Internet-Seite eines Verkaufshauses – um beim Beispiel der Jeans-Hose zu bleiben – mit wenigen Mausklicks auf dem Pfad „Herren – Jeans - Sortieren – Größe – Farbe – Preis“ zu einer Auswahl von wenigen Exemplaren kommen kann, die genau meinen Vorgaben und Wünschen entsprechen. Sich für eines von ihnen zu entscheiden, fällt dann leicht. Mit Hilfe der Funktion „Kontrolle der Größe und Passform“, der Vergrößerung von Teilansichten und der Bewertung durch andere Kunden kann ich meine Wahl überprüfen und notfalls korrigieren. Der Rest (Einkauf – Kasse – AGB und Widerrufsrecht - Zahlungsart – Lieferanschrift und –frist) ist Routine.

Innerhalb weniger Tage kann ich das neue Stück in einem nahe gelegenen Paketshop abholen und – wenn nötig – auch problemlos zurück geben. Aber die Hose passt, ist bequem, äußerst preiswert und bringt mir noch einen Bonus ein, weil ich von meinem Rücksenderecht keinen Gebrauch mache.

Im vergangenen Jahr zwangen mich jedoch die Meldungen von Brand- und Einsturzkatastrophen bei Textilfabriken in Südostasien mit Hunderten von Todesopfern zum Umdenken. Mir wurde bewusst, dass unsere günstigen Einkaufsbedingungen nur durch unmenschliche, ausbeuterische Herstellungsweisen in diesen Ländern zustande kommen. Bestürzt war ich, als ich an meiner neuen Jeans das Etikett „Made in Bangladesh“ entdeckte. Ich begann, mich über die Einkaufspraktiken insbesondere der Versandhäuser und Konfektionsketten zu informieren. Jetzt fahre ich zweigleisig: Ich unterstütze Organisationen, die die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen in Südostasien und anderswo anprangern und hiesige Unternehmen benennen, die Lieferverträge nur mit Fabriken abschließen, die ihre Arbeiter anständig bezahlen, humane Arbeitsbedingungen schaffen und den Arbeitsschutz beachten.

Und andererseits erkundige ich mich beim Kauf von Textilien, wo sie hergestellt wurden. Deren Kennzeichnung liegt jedoch im Argen; denn einem in einem Billiglohn-Land gefertigten Kleidungsstück braucht abschließend nur ein Reißverschluss in einem hiesigen Land eingenäht zu werden, um das Stoffschildchen „Made in Europe“ zu erhalten. Hier ist die Europäische Kommission aufgerufen zu handeln.


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