Gerichtsbericht : Letzter Mieter belastet Angeklagte

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Im Prozess um die Brandstiftung an der Bahnhofstraße berichtete ein Zeuge von einer Warnung. Experten untersuchten Beweisstücke im Saal.

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06. Dezember 2014, 08:30 Uhr

Neumünster | Er hatte keinen Grund mehr zu schweigen. Gestern wurde im Prozess um die Brandstiftung an der Bahnhofstraße 40 erneut der letzte Mieter (49) vernommen. Er hatte bis kurz vor dem Feuer am 15. September 2013 im ersten Stock des Gründerzeithauses eine Anwaltskanzlei betrieben. Erst in der Tatnacht hatte er letzte Sachen heraus geschafft (der Courier berichtete). Mit seiner gestrigen Aussage belastete er drei Angeklagte schwer.

Zurzeit müssen sich insgesamt fünf Männer wegen besonders schwerer Brandstiftung vor dem Kieler Landgericht verantworten. Laut Anklage sollen zwei Brüder (31 und 37) im Auftrag des Hausbesitzers (32) in dem Mehrfamilienhaus an mehreren Stellen Feuer gelegt haben. Zwei Bekannte des Eigentümers, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen die Tat mit geplant haben. Laut Staatsanwaltschaft sollte die Versicherungssumme von 500 000 Euro kassiert werden. Die Angeklagten schweigen bisher zu den Vorwürfen.

Im Gegensatz zu seiner ersten Vernehmung Ende September konnte der letzte Mieter gestern nicht mehr von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Bei seiner ersten Aussage hatte noch ein offenes Verfahren über ihm geschwebt, so dass er zu belastenden Komplexen schweigen durfte. Mittlerweile wurde der Mann aber vom Amtsgericht Neumünster verurteilt – und erneut nach Kiel geladen. Und da schilderte der Jurist, wie rund drei Wochen vor dem Brand der 38-Jährige Angeklagte im Hinterhof des Hauses auf ihn zugekommen sei, um ihn offenbar zu warnen. „Es wird hier brennen. Egal ob du dann mit der Kanzlei ausgezogen bist oder nicht. Es wurden Profis beauftragt. Das ist nicht mehr zu stoppen“, soll der Kaufmann sinngemäß gesagt haben. Auch das Datum sei genannt worden. Außerdem habe sein Kumpel ihm den Tipp gegeben, doch auch die Versicherung in Anspruch zu nehmen. „Ich war geschockt und habe gesagt, sie sollten den Unsinn lassen“, so der Zeuge. Der Freund habe außerdem erzählt, dass der Hausbesitzer gegen diese Warnung gewesen wäre. Der Kontakt zu den Brandstiftern sei demnach über den Gastwirt zustande gekommen.

Zuvor hatten gestern noch einmal zwei Brandsachverständige das Wort. Diesmal hatte das Gericht ein großes Stück des verrußten antiken Treppengeländers und einen halben Fensterrahmen als Anschauungsmaterial in den Saal schaffen lassen. Ein leichter Brandgeruch lag im Raum, als die Experten mit Schutzhandschuhen die Beweisstücke untersuchten – ohne aber in den wichtigsten Fragen überein zu kommen. Ob, wie stark und wie lange das hölzerne Inventar selbstständig brannte und inwieweit es durch das Feuer zerstört wurde, ist nach wie vor eine Streitfrage. Die Bewertung allerdings ist eines Tages wichtig für das Strafmaß. Der Prozess wird fortgesetzt.

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