Altes Handwerk In Neumünster : Letterdruck ist wieder in Mode

Axel Dalgas zieht eine Farbdose aus dem Regal. Im Vordergrund steht die „Original Heidelberg Zylinder“.
1 von 3
Axel Dalgas zieht eine Farbdose aus dem Regal. Im Vordergrund steht die „Original Heidelberg Zylinder“.

Bei Druck&Repro hält Axel Dalgas noch die alten Hochdruckverfahren in Ehren.

von
12. Januar 2018, 08:15 Uhr

Neumünster | In einer Serie stellt der Courier alte Handwerkskunst aus Neumünster vor. Heute: den gelernten Buchdrucker Axel Dalgas. Der Diplom-Ingenieur ist Geschäftsführer bei Druck & Repro an der Altonaer Straße 69 – und einer der letzten seiner Zunft.

„Ich habe in den 1970er-Jahren bei Liekfeldt gelernt, war seinerzeit schon einer der letzten Drucker mit der Fachrichtung Buch- und Flachdruck. Die Entwicklung ging da schon stark zum Offsetdruck“, sagt Dalgas.

Die Unterschiede der beiden Druckverfahren: Beim Buch- oder Hochdruck sind die Druckletter erhaben, es werden teilweise auch noch einzelne Buchstaben gesetzt. Im Offsetverfahren werden dagegen Druckplatten erstellt, die auf fotografischem Wege belichtet werden. „Hoch- oder Buchdruck ist heute schon eine Rarität, auch wenn viele Druckereien wohl noch diese Maschinen im Keller stehen haben“, sagt Dalgas.

Bei Druck & Repro wird noch mit den Dinos gearbeitet. „Wir haben noch eine Original Heidelberger Tiegeldruckmaschine aus den 70er-Jahren und einen Heidelberger Zylinder aus den 60er-Jahren. Die werden zum Nuten, Prägen, Nummerieren und Stanzen eingesetzt – neuerdings auch zum Letterpress“, sagt Dalgas.

Letterpress ist eine Mode, die aus den USA nach Europa schwappt und eine Art von Strukturdruck auf besonders dickem Material meint, etwa Visitenkarten oder besonders gestaltete Einladungs- oder Eintrittskarten. Dalgas: „Das würde im Offset-Verfahren nicht möglich sein und ist gerade wieder groß im Kommen. Das ist absolutes Handwerk, aufwändig und hochwertig. Jede Farbe wird einzeln gedruckt.“

Druck & Repro hat sich auf solche individuellen Drucke in Klein- und Kleinstauflagen spezialisiert, fertigt aber auch im Offset- und modernen Digitaldruck. „Es wird nur noch große Druckfabriken und ganz kleine, hoch spezialisierte Druckereien wie uns geben. Dazwischen ist kein Platz mehr“, ist Dalgas überzeugt.

In Neumünster gibt es laut Axel Dalgas nur noch vier klassische Druckereien. Früher waren es mehr als doppelt so viele. Den klassischen Beruf des Druckers gibt es nicht mehr. „Das nennt sich heute Medientechnologe, Fachrichtung Druck“, erklärt Dalgas.

Druck & Repro hat vier Beschäftigte, ist Ausbildungsbetrieb und sucht Mitarbeiter für den Druck, die das Handwerk noch beherrschen. „Das wird immer weniger. Die jungen Leute stehen staunend vor den alten Maschinen“, sagt Axel Dalgas, der bei Bedarf auch eine weitere fast ausgestorbene Handwerkskunst bemüht. Für exklusive Einbände und die Reparatur kostbarer Bücher kommt eigens noch eine ausgebildete Buchbinderin in die Firma.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen