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Holsteinischer Courier

19. November 2017 | 15:02 Uhr

Theater : Lehrstück vom Tanz auf dem Vulkan

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In „Fabian“ erweist sich Kästner als kluger Prophet.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Neumünster | Die Theatersaison im Theater in der Stadthalle nähert sich ihrem Ende. Am Donnerstagabend stand noch ein Theaterstück, eine Uraufführung, auf dem Spielplan, von der einiges zu erwarten war. Das Theater für Niedersachsen (TfN) aus Hildesheim zeigte seine Bühnenfassung (Text und Regie: Gero Vierhuff) nach dem Roman „Fabian“ von Erich Kästner (1899-1974).

Als „Fabian“ 1931 erschien, hatte sich der Autor mit seinen Romanen für Kinder schon einen Namen gemacht. Mit „Fabian“ wollte er seine erwachsenen Zeitgenossen erreichen, die nach seiner Meinung alle „störrisch wie Esel rückwärts laufen, einem klaffenden Abgrund entgegen“.

Kästner gelang ein (fast) zeitloses, nicht überholtes Werk, das detailgenau beschreibt, kühl analysiert und menschlich bewegt. Dem charmanten Humoristen und messerscharfen Satiriker gelang eines der gescheitesten Bücher über den Verfall der Weimarer Republik.

Die Buchleser liebten „Fabian“, die kommenden Machthaber, die Kästner mit Berufsverbot belegten und seine Schriften verbrannten, bezeichneten den Roman als „gedruckten Dreck“. Erst 2013 wurde die Urfassung wieder entdeckt.

Der Roman schildert die Geschichte des arbeitslosen, Germanisten Jakob Fabian, der zu Beginn der 30er-Jahre die Großstadt Berlin nächtens als distanzierter Zeitzeuge durchstreift, beobachtet und beschreibt.

Das tat auch der Schriftsteller, Lyriker und Journalist Kästner und fand die richtigen Worte für den Tanz auf dem Vulkan, den ständigen Rausch und die traurige Aufgedrehtheit jener Jahre. Auf seinen Streifzügen durch die Berliner Halb- und Unterwelt erlebt Fabian eine süße, enttäuschende Liebe, politische Machtkämpfe, den Freitod seines Freundes Labude und geht am Schluss selbst vor die Hunde.

In der Inszenierung des Gastspiels fanden Regie, Musik und Darsteller in vielen Szenen den richtigen Ton für die erzählerischen Passagen, mühten sich aber bei den erotisch ausufernden Sequenzen, die nur zum Teil überzeugen konnten, ziemlich ab. Durch die vielen Türen und ein Drehelement auf karger Bühne waren schnelle Wechsel der Szenen und Kostüme reibungslos möglich. Auch wenn mehr Typen als Persönlichkeiten auf der Bühne standen, gaben doch etliche Darsteller ihren Rollen auch individuelle Züge.

Thomas Streckers Erscheinungsbild und Haltung passten gut zu Jakob Fabian, seine Stimme war manchmal nicht prägnant genug. Sehr präsent brachte Moritz Nikolaus Koch den Text von Fabians Freund Labude und den des „Erfinders“ über die Rampe. Simone Mende überzeugte in allen Rollen. Zärtlich zurückhaltend spielten Fabian und Cornelia (Katharina Wilberg) ihre Liebe. Auch Julia Gebhardt, Gotthard Hauschild und Dennis Habermehl schloss das aufmerksame Publikum (360 Besucher) in seinen Schlussbeifall ein.

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