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Knochenmarkspende : Lebensretter im zweiten Anlauf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Alexander Podlasly (21) spendete zum zweiten Mal Knochenmarkzellen für einen leukämiekranken Briten. Jetzt hofft er auf ein Kennenlernen

Neumünster | Als ihn der Anruf aus der Berliner Charité erreichte, war Alexander Podlasly zunächst perplex, aber dann stand seine Antwort doch sofort fest: Ob er ein zweites Mal zur Spende bereit sei, wollte der Mediziner wissen – und der Tungendorfer (21) sagte zu: „Es ist ein gutes Gefühl, einem schwerkranken Menschen helfen zu können – ich würde es immer wieder tun!“

Wenige Tage später packte der junge Bürokaufmann aus Tungendorf erneut seine Koffer und fuhr zur Voruntersuchung nach Berlin. Erneut wurde Podlasly von oben bis unten durchgecheckt: Wieder gaben die Ärzte grünes Licht – allerdings nicht ohne den jungen Neumünsteraner vorsichtig vorzuwarnen: Beim zweiten Mal könne es anstrengender und auch etwas unangenehmer als bei der ersten Spende werden.

„War es dann auch“, sagt Podlasly heute, wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Berlin. Als er in der Klinik wieder aufgewacht sei, habe er sich matt und schlapp gefühlt, Glieder- und Kopfschmerzen nervten – dennoch habe das gute Gefühl überwogen, sagt er.

Über fünf Stunden lang hatte der Neumünsteraner an der Maschine gelegen, einen Schlauch am linken, einen anderen am rechten Arm, um das Blut in seinem Körper nach den Stammzellen zu durchstöbern, die einem 40-jährigen Mann aus Großbritannien das Leben retten sollen.

Dabei hätte eigentlich schon alles auf dem besten Wege sein sollen. Schon einmal, im Sommer vergangenen Jahres, hatten die Ärzte den Tungendorfer nach Berlin auf die Spenderliege gebeten (der Courier berichtete). Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hatte ihn als „genetischen Zwilling“ eines schwerkranken Engländers identifiziert. Sein Erbgut und das des Engländers stimmten in so hohem Maße überein, dass die Mediziner eine Stammzellenspende wagen wollten.

Für den Patienten war das so etwas wie ein Lottogewinn: Denn die Suche nach dem passenden Knochenmarkspender gleicht noch immer der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Zwar sind in der weltweiten Datei der DKMS inzwischen rund 5,4 Millionen potenzielle Spender registriert, aber nur für knapp 50 000 Fälle konnten die Mediziner bislang den passenden Spender ausfindig machen.

Auch Alexander Podlasly kennt die Zahlen, seit er seine Schwester vor vier Jahren zu einer Typisierungsaktion in die Gesamtschule Brachenfeld begleitete. Damals rollte in Neumünster eine Welle der Hilfsbereitschaft für den an Leukämie erkrankten Dominik Bahr an (der Courier berichtete). Der Fall berührte den damals 17-Jährigen so stark, dass er sich nach seiner Volljährigkeit sofort typisieren ließ. Nur wenige Monate später wurde es ernst für ihn: Er wurde zur Spende nach Berlin gebeten. Doch irgendetwas ging bei der Übertragung auf den Patienten schief – die Hoffnung auf Gesundung erfüllte sich zunächst nicht. Jetzt soll es im zweiten Anlauf gelingen.

Ob es tatsächlich klappt, wird auch Alexander Podlasly frühestens in einem halben Jahr erfahren. Von seinem genetischen Zwilling in England weiß er nur, dass er 40 Jahre alt ist und 97 Kilo wiegt. Frühestens nach zwei Jahren kann Podlasly Kontakt zum Spendenempfänger aufnehmen – wenn auch der das will: „Mir würde es Spaß machen, ihn kennenzulernen“, sagt der Tungendorfer.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 09:00 Uhr

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