100. Geburtstag : Lebensmittelpunkt blieb die Kieler Straße

Gertrud Berg feiert heute ihren 100. Geburtstag und freut sich auf ihre Familie.
Gertrud Berg feiert heute ihren 100. Geburtstag und freut sich auf ihre Familie.

Gertrud Berg feiert heute im Wohnpark Tannhof ihren 100. Geburtstag. Nur wenige hundert Meter entfernt an der Kieler Straße wurde sie einst geboren.

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06. März 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Ihr Leben begann an der Kieler Straße. Und im hohen Alter hat Gertrud Berg, die heute 100 Jahre alt wird, im Wohnpark Tannhof nicht weit von ihrem Geburtshaus wieder ein Zuhause an der Kieler Straße gefunden. Als Gertrud Berg einst im Haus Nummer 237 (Höhe Hagedornbusch) unter ihrem Mädchennamen Eggers geboren wurde, brach nur vier Monate später der Erste Weltkrieg aus. Der Vater verdiente das Geld bei der Bahn. Für die Familie mit sechs Kindern, von denen die Jubilarin das Jüngste war, waren die Zeiten nicht einfach.

Nach der Schulzeit ging die junge Frau in Stellung. 1939 heiratete sie den zwei Jahre älteren Walter Berg, der als kaufmännischer Angestellter bei der Tuchfabrik Mehrens arbeitete. Als der Ehemann eine Stelle in einem Büro in Hamburg fand, zog das Paar in die Hansestadt. Gertrud Berg arbeitete dort in einem Arzthaushalt. In Hamburg wurde 1941 auch Tochter Karin geboren. Doch der Zweite Weltkrieg trennt die kleine Familie schon bald. Der Ehemann wurde einberufen. Gertrud Berg bleib mit ihrer kleinen Tochter in der Hansestadt und geriet dort in die Kriegswirren. 1943 wurde sie ausgebombt und wenig später mit ihrem Kind nach Passau (Bayern) evakuiert. Von dort kehrte sie nach Neumünster zu ihren Eltern zurück. 1944 kam hier Sohn Dieter zur Welt. Sein Vater fiel kurz vor Kriegsende.

Auch wenn sie weiterhin bei ihren Eltern wohnte, so musste Gertrud Berg dennoch ihre beiden Kinder allein großziehen. „Sie hat das alles allein gepackt“, sagt Tochter Karin Möller bewundernd.

Kaum waren die Kinder aus dem Haus, übernahm Gertrud Berg ganz selbstverständlich die Pflege ihrer kranken Mutter, die mit 72 Jahren starb. Und auch ihren Vater, der immerhin 88 Jahre alt wurde, versorgte sie aufopfernd.

Bis 1985 wohnte sie an der Kieler Straße. Dann zog sie auf Initiative ihre Sohnes Dieter an die Leineweberbrücke. „Sie sollte schön und zentral wohnen“, erklärt Dieter Berg. Immerhin ging seine Mutter ein Leben lang jeden Freitag zum Wochenmarkt. In der Innenstadt verlebte sie noch viele schöne Jahre, bis sie nach einem Beinbruch mehr Betreuung brauchte.

Mittlerweile lebt Gertrud Berg seit gut zwei Jahren in einer kleinen Wohnung am Tannhof. Bis vor einem Jahr ging sie in Begleitung noch regelmäßig spazieren. Mittlerweile ist die Jubilarin in ihrer Mobilität zwar eingeschränkt, wenn die Kraft es zulässt, ist sie aber für einen Ausflug zu haben. So ging sie zum Beispiel in der vergangenen Woche mit ihrem Sohn bei Nortex bummeln. „Sie macht sich immer gern schick, legt Wert auf hübsche Kleidung“, sagt Tochter Karin Möller.

Ihre Hobbys, das Sticken, Kochen, Backen und Lesen, musste die Jubilarin aus gesundheitlichen Gründen mittlerweile aufgeben. „Zeitlebens hat sie immer den Courier gehabt“, erzählen die Kinder. Nach wie vor ist der 100-Jährigen ihre Familie sehr wichtig. Neben dem Stadtpräsidenten und Pastorin Simone Bremer werden deshalb heute ihre Kinder sowie ihr Enkel Thorsten Möller (46) zu Gast sein.

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