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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 11:36 Uhr

Rauswurf : Lebenshilfe feuert Geschäftsführer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vorwürfe gegen den Chef der Behindertenwerkstatt . Aufsichtsratschef wechselt in die Firmenleitung

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Lebenshilfe Neumünster GmbH hat ihren Geschäftsführer Hans-Joachim Hirsch (65) mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Der Aufsichtsrat hält dem langjährigen Chef der Behindertenwerkstätten eine unzulässige Verquickung mit persönlichen Interessen vor.

Auslöser der einstimmigen Entscheidung war offenbar ein Beschwerdebrief, den der Eltern- und Betreuerbeirat der Einrichtung Mitte Januar an den Aufsichtsrat gerichtet hatte. Darin werden schwere Vorwürfe gegen Hirsch erhoben. Er soll seine Familie in unzulässiger Weise in das Unternehmen eingebunden und bevorteilt haben. So sollen auf Wunsch von Hirsch mehrere Familienmitglieder eingestellt worden sein. Dienstfahrzeuge sollen über den zulässigen Rahmen hinaus von der Familie genutzt worden sein.

Der Aufsichtsrat hatte auf die Beschwerde hin einen Kieler Wirtschaftsprüfer eingeschaltet, der die Vorwürfe jetzt offenbar im Grundsatz bestätigte. „Das Gutachten belegt, dass an den Vorhaltungen etwas dran ist“, sagte gestern Aufsichtsratsvorsitzender Horst Bülck.

In seiner Sitzung am vergangenen Montag zog das Kontrollgremium Konsequenzen und entband Hirsch von seinen Aufgaben. Hirsch musste seine Schlüssel abgeben und erhielt Hausverbot für alle Einrichtungen der Lebenshilfe. Mitarbeiter und Angehörige der Einrichtungen waren am Dienstagvormittag über den Schritt unterrichtet worden. Hirsch selbst, der der Lebenshilfe seit 1983 als Geschäftsführer vorstand, war gestern für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen.

Die Krux: In derselben Sitzung wollte der Aufsichtsrat eigentlich einen Nachfolger für Hirsch benennen. Der 65-Jährige wäre im Juli regulär in den Ruhestand gegangen. Der ausgesuchte Nachfolger war jedoch kürzlich verstorben. Ein neuer Mann ist bereits gefunden, der kann aber frühestens zum Juni das Ruder an der Rügenstraße übernehmen.

Um eine Vakanz an der Spitze der Werkstätten zu vermeiden, soll jetzt Horst Bülck (62) aushelfen und die Geschäftsführung bis zum Antritt des neuen Chefs übernehmen.

„Die Mitarbeiter machen hier einen Super-Job, aber das Image der Lebenshilfe hat in den vergangenen Jahren zunehmend gelitten“, sagte der frühere Wirtschaftsminister gestern gegenüber dem Courier. In den kommenden Monaten gehe es vor allem darum, verlorenes Image und Vertrauen zurückzugewinnen, so Bülck.

In den Werkstätten der Lebenshilfe sind derzeit etwa 350 geistig oder körperlich behinderte Menschen beschäftigt. Neben der Zentrale an der Rügenstraße gehören unter anderem eine Gärtnerei am Baumschulenweg, mehrere Wohnstätten sowie eine Kita und eine Kinderkrippe zur Einrichtung.

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