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Waldorfschule : Lebendige Zeitgeschichte in der Schule

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Waldorfschule zeigt die Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28, L410 Theresienstadt“.

Neumünster | Es sind beeindruckende Dokumente der Zeitgeschichte, die derzeit in der Waldorfschule zu sehen sind: Gestern Vormittag wurde in den Räumen am Roschdohler Weg die Wanderausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28, L410 Theresienstadt“ eröffnet, die bereits 2012 in der Anscharkirche zu sehen war. Neben einem Nachbau des besagten Zimmers veranschaulichen 22 Tafeln die Geschichte der jungen Frauen, die mitunter bis zu zweieinhalb Jahre in dem Konzentrationslager im heutigen Tschechien verbrachten.

„Wir sind auf das Thema aufmerksam geworden, weil unsere Zehntklässler jedes Jahr während einer Fahrt nach Tschechien reisen und in diesem Zusammenhang auch das Konzentrationslager Theresienstadt besuchen“, erklärte Frank Schade, Geschäftsführer der Waldorfschule, den Hintergrund.

Zur offiziellen Eröffnung hatte Schade auch Hannelore Brenner-Wonschick eingeladen, die die Ausstellung 2004 konzipierte und in engem Kontakt zu Zeitzeugen stand und steht. Auf einfühlsame Weise verdeutlichte sie den Schülern, was sich während des Zweiten Weltkrieges in Theresienstadt abspielte und erzählte auch aus dem Leben der „Urmütter“ der Ausstellung, Helga Pollak und Anna Flachová. „Beide waren als Kinder in Theresienstadt und lebten dort mit 30 weiteren Mädchen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren in dem 30 Quadratmeter großen Raum, Zimmer 28. Helga schrieb von 1943 bis 1944 Tagebuch, Anna hatte ein Poesiealbum. Ohne diese Dokumente wäre es unmöglich gewesen, die Geschichten zu verstehen“, sagte Hannelore Brenner-Wonschick und ergänzte: „Es war der Wunsch der Überlebenden von Zimmer 28, ein bleibendes Gedenken an die Kinder von Theresienstadt zu schaffen, die im Holocaust ermordet wurden.“

Besonders wichtig war der Initiatorin, den Schülern zu vermitteln, dass Zimmer 28 nicht nur den Schrecken der NS-Zeit widerspiegelt: „Die Betreuer und Lehrer haben damals viel mit den Kindern gemacht. So haben die Mädchen unter anderem Malunterricht erhalten, der allen Überlebenden unvergesslich blieb. Im April 1943 gründeten sie eine Art Parlament, das einmal im Monat tagte und Mädchen hervorhob, die sich besonders vorbildlich verhielten.“

Mit Anna Flachová ist im vergangenen Jahr eine der beiden Mitbegründerinnen der Ausstellung gestorben. Umso wichtiger ist es Hannelore Brenner-Wonschick, die Geschichte durch die Ausstellung lebendig zu erhalten: „Wir müssen uns durch das, was die Zeitzeugen als Vermächtnis hinterlassen haben, informieren, weil sie mitunter nicht mehr selbst sprechen können.“

Die Waldorfschülerinnen Lene Brosowski (17) und Selina Harder (17) waren nicht nur von der Ausstellung tief beeindruckt. Auch die Eindrücke, die sie im April beim Besuch des Konzentrationslagers sammelten, haben Spuren hinterlassen. „Unser Lehrer hat uns vorab über die Hintergründe informiert, aber es war am Ende ganz anders, als wir uns vorgestellt haben“, sagte Lene Brosowski. Auch Selina Harder war bewegt: „Es war eine sehr bedrückende Stimmung, viele von uns haben geweint.“

Die Wanderausstellung, die seit 2004 durch die Welt reist, ist noch bis zum 23. März täglich von 14 bis 16 Uhr am Roschdohler Weg 144 zu sehen. Schulklassen können sich unter Tel. 95  26  60 anmelden.

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erstellt am 02.Mär.2016 | 08:30 Uhr

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