Ingo Mruk : Leben mit dem zweiten Herzen

Ein  stilisiertes Herz aus Keramik erinnert Ingo Mruk an das Leben, das ihm vor 20 Jahren neu geschenkt wurde. Foto: Ziehm
Ein stilisiertes Herz aus Keramik erinnert Ingo Mruk an das Leben, das ihm vor 20 Jahren neu geschenkt wurde. Foto: Ziehm

Mruk (73) feiert immer zweimal im Jahr Geburtstag. Vor 20 Jahren bekam er ein Spenderherz und wirbt heute für den Organspenderausweis.

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03. April 2013, 07:48 Uhr

Neumünster | Am 16. April wird Ingo Mruk 74 Jahre alt. Seinen "zweiten Geburtstag" feierte der frühere Bauingenieur beim Straßenneubauamt jedoch schon gestern am 2. April: "Das ist der Tag, an dem ich ein neues Leben geschenkt bekam", sagt Mruk. Und dieser Tag ist jetzt schon 20 Jahre her.

Am 2. April 1993 wurde dem Falderaner in der Kieler Uniklinik ein Spenderherz transplantiert. Davon erfuhr Mruk allerdings erst zwei Tage später, als er nach vier Tagen wieder aus dem Koma erwachte. Eigentlich sollte ihm nach mehreren Infarkten "nur" ein Bypass gesetzt werden. Doch es gab Komplikationen, Mruks Herz sprang nach der Operation nicht mehr an. Er wurde an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und kam auf eine Notliste für Spenderherzen.

Viele warten lange und oft genug vergeblich, Mruk hatte Glück in diesen dramatischen Stunden. Es gab ein Spenderherz. Eine Ärztin informierte Mruks Frau Rita, indem sie das Telefon aus dem Fenster hielt und sagte: "Hören Sie den Helikopter? Das ist sein neues Herz, ein kleines junges Herz." Wer der Spender ist, weiß Ingo Mruk nicht. Dass er seit 20 Jahren mit einem fremden Herzen lebt, ist für ihn Alltag geworden. "Es wäre ja auch schlimm, wenn man nur daran denkt", sagt Mruk.

Der Alltag hat sich allerdings schon verändert. Damit sein Körper das fremde Organ nicht abstößt, muss Ingo Mruk, der auch an Diabetes leidet, sein Leben lang Medikamente nehmen, die das Immunsystem beeinflussen. Anfangs galt es, jegliche Infektionsquellen auszuschalten. Mruk musste einen Mundschutz tragen, Topfpflanzen in der Wohnung waren tabu, auch der Hund musste in den Garten umziehen.

Ansonsten lebt Ingo Mruk ganz normal und wurde über die Rehabilitation zum sehr aktiven Sportler. Am Montag geht es zum Schwimmen, am Dienstag stehen Kegeln und der Diabetessport auf dem Programm. Heute geht es zum Bosseln, einer Art Eisstockschießen in der Halle. Daneben fährt er noch leidenschaftlich gern mit dem Rennrad. Allein den Coronarsport bei der Behindertensportgemeinschaft, bei der Mruk sich auch als Pressewart engagiert, hat er vor zwei Jahren aufgegeben. "Das Sportabzeichen mache ich dagegen in diesem Jahr zum 15. Mal", sagt er stolz. Und bei den alle zwei Jahren stattfindenden Europäischen Sportspielen der Herz- und Lungenpatienten hat Ingo Mruk schon zahlreiche Medaillen eingeheimst.

Für Ingo Mruk ist das neue Herz ein "Austauschmotor". Mit dieser Nüchternheit fahre man besser. Eines liegt ihm jedoch sehr am Herzen, und das ist die Werbung für den Organspenderausweis. Mruk engagiert sich daher im Verein Transplantationsbetroffene Schleswig-Holstein (www.tbsh.de). "Nichts ist schlimmer als die ungewisse Wartezeit auf ein Spenderorgan. Ich bin recht froh, dass ich das nicht erleben musste", sagt Mruk.

Den "zweiten Geburtstag" der Transplantation feierte er auch gestern mit einer kleinen Andacht. Die Zeremonie ist stets die gleiche: Ingo Mruk entzündet dann ein Teelicht in einem Kerzenhalter mit einem Herzausschnitt. Dessen Lichtschein fällt auf ein Keramikherz, das Ingo Mruk während der Reha anfertigte. Es trägt die Aufschrift: "Das zweite Herz durch HTP (Herztransplantation) 02/04/93."

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