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Kripochef: : Leben in der Stadt ist nicht bedrohlich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Polizei widerspricht der These vom gefährlichen Neumünster. Ausländerdelikte treiben die Statistik nach oben

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Neumünster | Alle Jahre wieder, wenn die Kriminalpolizei ihres Jahresstatistik vorlegt, geht ein Aufschrei durch die Stadt: „Neumünster – Stadt des Verbrechens“ titelt dann gern die überregionale Presse. Zu Unrecht, wie der Chef der Neumünsteraner Kriminalpolizei, Thomas Wolff, meint. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Neumünster-Süd referierte der Kripochef jetzt über die tatsächliche Sicherheitslage in der Stadt und das Sicherheitsgefühl ihrer Bewohner. Wolffs Fazit: Das Leben in der Stadt sei keineswegs so bedrohlich wie immer wieder gern behauptet, die Kriminalität in der Stadt eher „durchschnittlich“.

Der Knackpunkt liegt danach auch in der Statistik: „In der Häufigkeitszahl aller möglichen Straftaten liegt Neumünster weit vorn in Schleswig-Holstein“, räumte der Kriminaloberrat vor seinen Zuhörern im Wittorfer Restaurant Riva ein. Wer die reine „Häufigkeit“ genauer unter die Lupe nehme, erhalte aber schnell ein differenzierteres Bild, sagte Wolff. So sei etwa die Zahl der „Rohheitsdelikte gegen die persönliche Freiheit“ (zum Beispiel Raub, Körperverletzung etc.) im Vergleich zu allen anderen Städten in Schleswig-Holstein am niedrigsten. Ebenso liege Neumünster bei Eigentumsdelikten weit unter dem Landesdurchschnitt. So rangiert die Straßenkriminalität in Lübeck Wolff zufolge um fünf Prozent höher als in Neumünster.

Dennoch liegt Neumünster bei der absoluten Anzahl der Straftaten vorn – und der Stadtteil Rutenberg ist statistisch der „kriminellste“. Eindeutige Ursache dafür sind aber die „ausländerrechtlichen Straftaten“, die am Landesamt für Ausländerangelegenheiten entstehen und voll in die Statistik eingehen, wie Wolff erläuterte. Dahinter verbirgt sich etwa die unerlaubte Entfernung der Flüchtlinge aus der Stadt. Wird ein Asylbewerber außerhalb der Stadt kontrolliert, werde das bereits als Verstoß registriert und als Delikt gezählt, erläuterte Wolff. Rechne man diese ausländerrechtlichen Straftaten aus der Statistik heraus, bewege sich Neumünster auf dem Level von Fehmarn.

Allerdings wollte Wolff auch die bekannten Kriminalitätsschwerpunkte in der Stadt nicht verniedlichen. So überlege die Polizei derzeit etwa, im Vicelinviertel einen eigenen Polizeiposten einzurichten. In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig: Nur über Investitionen in die Wohnbereiche bestimmter Viertel sei die Kriminalität langfristig zu senken. Ein Beispiel sei die positive Entwicklung in der Böcklersiedlung. Seit dem Beginn der Stadtteilerneuerung zu Beginn der 90er-Jahre habe der Stadtteil deutlich gewonnen. Die Menschen dort fühlten sich wieder sicherer.

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