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Boostedt : Lange Wege, Herbergs-Charakter: Geteilte Meinungen zur Unterkunft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Helfer wurden durch die Flüchtlingsunterkunft geführt.

von
erstellt am 28.Feb.2015 | 09:45 Uhr

Boostedt | Einige waren entsetzt, andere hatten es sich schlimmer vorgestellt: Die beiden Helferinitiativen, der Verein Willkommen in Boostedt (WiB) und die Flüchtlingspartnerschaft Boostedt, sahen sich mit etwa 50 Mitgliedern die zukünftige Flüchtlingserstaufnahmestelle auf dem ehemaligen Boostedter Kasernengelände an. Begleitet wurden sie dabei von Katja Ralfs, die die Boostedter Zweigstelle leiten wird.

Allgemein mokiert wurde insbesondere der weite, unbeleuchtete Weg zum Gelände sowie auch dessen tristes Erscheinungsbild. „Das ist schon gruselig. Und der Weg ist wirklich weit“, hieß es dazu mehrfach aus den Reihen der Besucher.

Bei der Besichtigung der rund 30 Quadratmeter großen Vierbettzimmer sowie der sanitären Anlagen gingen die Meinungen dann noch weiter auseinander. „Ich bin entsetzt. In den Waschräumen gibt es ja überhaupt keine Privatsphäre“, sagte zum Beispiel Manuela Stephani (42), die dem WiB angehört.
„Es ist nicht besonders schön, aber es sieht eigentlich aus wie in einer Jugendherberge. Wir haben mit großen Schlafsälen für 30 Leute oder so etwas gerechnet“, lautete dagegen der Kommentar der 15-jährigen Maria Rohwer aus Neumünster und ihrer Freundin Marlene Wildelau aus Boostedt, die zur Flüchtlingspartnerschaft Boostedt gehören.

Es sei noch viel zu tun, aber die Unterkunft sei geeignet für eine Erstaufnahmestelle, lautete die Einschätzung der ehemaligen Kinderärztin Dr. Insa Neumann-Kiesel (71). „Dennoch, weitere Sanitäranlagen wären wünschenswert. Und auch die Gemeinschaftsangebote wie Sport und Sprachunterricht müssen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden“, sagte sie.

Nach dem Rundgang hatten die Besucher schließlich noch Gelegenheit, erste Kontakte mit Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu knüpfen, das die Betreuung der Flüchtlinge in Boostedt übernehmen wird.
Hier hatte der DRK-Vorstand Sven Lorenz bereits im Vorfeld angekündigt, dass man an einer Zusammenarbeit mit den örtlichen Hilfsinitiativen sehr interessiert sei. Doch zurzeit sei das DRK noch mit organisatorischen Basisaufgaben beschäftigt.

„Dass das DRK jetzt noch Stress hat, war zu erwarten. Wir arbeiten jetzt einfach in Ruhe vorbereitend weiter. Geplant ist am nächsten Sonnabend ein Informationsstand bei Edeka und ab dem 8. April werden wir jeden zweiten Mittwoch im Gemeindehaus ein Café als Treffpunkt einrichten“, berichtete Pastor Thomas Lemke.

Auch die WiB will sich weiter für die Flüchtlinge engagieren. „Uns gefällt nicht, dass die Betreuung erst jetzt beginnt. Ich frage mich, was das DRK so lange gemacht hat. Es war doch schon lange klar, dass die Flüchtlinge hierher kommen“, lautete die Kritik von Franz Strompen (WiB). Doch letztlich gelte es, jetzt dranzubleiben. „Unser Deutschunterricht steht und wir werden alles daransetzen den Schutzbedürftigen schon vor ihrer Verteilung auf die Kreise und Gemeinden erste Kenntnisse mit auf den Weg zu geben“, erklärte er.  





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